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#0005: The Blind Side

Wir waren gestern in “The Blind Side” mit Sandra Bullock. Dieser Film ist quasi die Mutter Teresa der jüngeren Kinogeschichte: Positiv, inspirierend und strahlend Nobel. Ich war erschüttert. Positiv. Kein Witz!

The Blind Side

Das kommt davon, wenn man sich nicht vorher schlau macht. Ich wusste nichts über den Film… Außer, dass Sandra Bullock einen Oscar für ihre Rolle darin bekommen hatte.

Ich erwartete also eine von zwei Varianten: Entweder einen Film der Marke: “Frau meistert fundamentale Tragödie” oder eben “Frau zerbricht an fundamentaler Tragödie”.

Ohne jetzt zuviel zu verraten: Ich lag komplett daneben. Hier wird nicht gelitten oder gejammert oder geheult. Was ich stattdessen gezeigt bekam, waren Nächstenliebe, Tapferkeit, Zähigkeit und das Idealbild einer amerikanischen Familie aus der reichen Oberschicht.

Sie hätten auf die Kinokarten schreiben sollen, dass man jeglichen Zynismus am Eingang abgeben soll. Ich war während des Films so misstrauisch, dass ich mich hinterher geschämt habe. Mal ehrlich: “Million Dollar Baby” von Clint Eastwood hat mich damals dank meiner plottechnischen Abgebrühtheit nicht so kalt erwischt wie dieser Film mit seinem zur Schau gestellten Glück.

Natürlich war Pathos dabei und natürlich möchte man als aufgeklärter Internet-Junkie eine altkluge Augenbraue hochziehen, wenn man Zeuge dieser wertkonservativen heilen Welt aus dem Frühstücksfernsehen wird.

Sandra Bullock macht aus Leigh Anne Tuohy ein Monument des Guten. Sie ist stark, sie ist intelligent, sie ist mutig, sie ist witzig, sie ist nicht bigott, sie steht für ihre Überzeugungen ein, sie ist nie selbstgerecht, nie unfair, verliert nie den Glauben und ist darüber hinaus eine Übermutter. Also brutalst idealisiert – keine Frage – aber man nimmt es den Autoren komischerweise nicht übel. Es ist furchtbar erfrischend, mal wieder so eine Figur zu sehen.

Wie gesagt: Diese ironiefreie Güte kommt in dem Film so entwaffnend daher, dass ich mich jetzt über meine negative Erwartungshaltung wundern muss. Schicksalsschläge, Abstürze, Scheitern und eine folgende Katharsis?

Nö… Haben wir nicht, brauchen wir nicht.

Mal ehrlich: Wer rechnet schon damit, dass ein oscarprämierter Film auf Tragödien verzichten könnte. Aber es funktioniert. Und man fühlt sich gut und irgendwie ertappt. Vermutlich wäre “Precious – Das Leben ist kostbar” mehr von dem, was ich bei dem Wort “Oscar” erwartet habe. Werde ich mir vielleicht auch noch ansehen…

Jedenfalls: Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, beschreibt “The Blind Side” tatsächlich die Jugendzeit des NFL-Spielers Michael Jeorme Oher und viele Sportsgrößen haben sich in diesem Film selbst verkörpert. Wo Dichtung und Wahrheit sich die Hand geben, sei jetzt mal dahin gestellt. Da hätte ein Football-Fan und Kenner der Biographien sicherlich vieles anzumerken. Aber ich bin kein Football-Fan… Glück gehabt ;-)

Michael Oher ist übrigens Jahrgang 1986. Ich bin fünf Jahre älter. “The Blind Side” ist also in mehr als einer Hinsicht ein überraschender Film.

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