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#0006: Just Dance (Wii)

Warum haben manche Spieletester über “Just Dance” für Nintendos Wii ein derartig negatives Urteil gefällt? Klar, es gibt Machwerke, die würde ich am liebesten selbst im Löschkalk versenken. Aber bei Ubisofts Tanzspiel sollte man nicht die Zielgruppen aus dem Blick verlieren: Kinder mit überbordendem Bewegungsdrang und angetrunkene Gelegenheitskonsoleros im Partyrausch.

Für alle Nichtkenner der Szene: “Just Dance” ist ein Partyspiel für die Nintendo Wii, bei dem man mit der Fernbedienung in der Hand das nachtanzt, was einem auf dem Bildschirm vorgemacht wird. Punkt. Mehr steht auch nicht in der spartanischen Spielanleitung drin, die der DVD aus Alibigründen beigelegt wird.

Die mitgelieferten 30 Musiktitel öffnen so manche Mottenkiste aus den 80ern und 90ern (siehe unten), sind aber alles andere als lieblos ausgewählt. Ich gebe zu, ich stehe total auf wildes Armewedeln zu “Surfin’ Bird”…

Die Vortänzer wurden in Apple-Werbespot-Ästhetik in Szene gesetzt, tragen passende Outfits zu den Musiknummern und verstehen ihr Hand- bzw. Fußwerk. Auf dem folgenden Screenshot können Sie sich ein Bild von der Spielegrafik machen. Außerdem sehen Sie, wie sich Ubisoft seine durchschnittliche Zielgruppe beim Zocken vorstellt…  Ich habe keine Ahnung, wo man solche Leute auftreibt… Ich tippe  auf (von links nach rechts) Waschsalon, Spielcasino, Studentendemo und Lenny Kravitz Schwester aus dem Baumarkt… Hach ja… Marketing…

Just Dance Wii

Just Dance (Wii) in Aktion...

Die Spielmodi sind alle von Anfang an zugänglich (müssen nicht erst freigespielt werden), die Menüs beschränken sich auf das Wesentliche und sind kinderleicht zu verstehen. Mal ehrlich: Sie könnten eine Wii ins Schimpansenhaus des örtlichen Zoos stellen und die Viecher hätten mit der Bedienung kein Problem – solange die Affen ihre Wiimotes nicht fressen natürlich.

Im “schnellen Spiel”, bzw. Klassischen Modus tanzen bis zu vier Mitspieler um Punkte zu einer kurzen oder der vollen Version des Musikstücks. Bei “Bis zum Umfallen” scheiden nach und nach Spieler aus, wenn sie zu viele Fehler machen. Bei “Haltung annehmen” sollen die Tänzer zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Bewegung einfrieren, um Extrapunkte zu bekommen. Als kleines Zuckerl wurde dann noch ein Aufwärmvideo auf die DVD gebrannt, was einen schon sehr an Gymnastiksendungen im dritten Programm erinnert, aber seinen Zweck erfüllt.

Klingt doch alles sehr solide. Warum also die vielen Verrisse im Netz?

Tja, die Steuerung beschränkt sich aufs rudimentäre “auf-ab-seitwärts-Rütteln” und ist somit nicht sehr präzise. Das Spiel erkennt natürlich nicht wirklich, ob ich alle Schritte richtig ausführe und selbst bei vermeintlich perfekter Choreographie werden mal Punkte gegeben und mal nicht. Das ist alles andere als perfekt justiert. Aber wenigstens braucht man keine extra Tanzmatten oder Kameras zum Gruppenspiel.

Und ja, die Playlist ist mit 30 Titeln recht knapp und kann nicht übers Netz erweitert werden. Auch zusätzliche Spielmodi hätten “Just Dance” gut getan. Die Präsentation im Neonstil ist – wie so oft – Geschmackssache.

Trotzdem sind oft die Kritiker selbst das Problem: Sie versetzen sich nicht in die Zielgruppe… Natürlich ist das Spiel THEORETISCH geldschneiderischer Mist… Aber PRAKTISCH macht es trotz seiner Schwächen gigantischen Spaß, wenn man sich nicht auf Details festbeißt! Normalerweise tendiere ich selbst eher zu einem pedantischen Blick auf Computerspiele. Aber hier verbaut man sich leider viel Vergnügen, wenn man nicht “Fünfe grade” sein lassen kann.

Stellen Sie mal anstatt gestandener “Dance Dance Revolution” – “Singstar” und “Guitar Hero” – Veteranen eine Handvoll Halbwüchsiger vor die Wii… Die toben sich bis auf den letzten Schweißtropfen aus und scheren sich kaum um die angestaubten Musiktitel. Hauptsache bunt und laut! Da kann man schön johlend vor dem Fernseher rumzuhüpfen und die Mieter darunter in den Wahnsinn treiben. Das macht auch vielen Erwachsenen Freude.

Oder feiern Sie mal eine Party und legen Sie “Just Dance” ein, wenn die Gäste schon etwas angeheitert sind. Die Tatsache, dass bisweilen sogar Leute ohne Fernbedienung mittanzen, spricht für sich. Die Gaudi wäre nur noch zu überbieten, wenn MC Hammer persönlich durch die Tür steppt. Wen interessieren da solche relativen Nebensächlichkeiten wie unpräziese Steuerung und tendentiöse Punktevergabe? Merkt kein Mensch! Geben Sie mal “Just Dance wii” bei Youtube ein. Sie werden staunen, wie motiviert und schamfrei sich selbst Metal-Freaks zu “Womanizer” bewegen können.

Fazit: Was Spaß macht, hat recht! Und dieser Spaß ist mit knapp 30 Euro noch nicht mal sonderlich teuer. Mein Tip: “Just Dance” vor Ihrer nächsten Feier aus der Videothek ihres Vertrauens mitnehmen. Kurz danach werden sie den Titel wahrscheinlich kaufen. Erinnert mich an Mario Barth. Den finden auch alle Fachkritiker (inklusive mir) scheiße und trotzdem verdient er sein Geld durch das Füllen von Stadien.

Ach ja: “Just Dance” hat sich übrigens bislang über zwei Millionen mal verkauft und hält sich schon erstaunlich lange an der Spitze der Spielecharts in Großbritannien. Manchmal ist an einer Sache mehr dran, als selbst die kühnsten Experten erwarten.

Just Dance (Wii)

Just Dance (Wii) - Packung

Hier noch die Titelliste als Orientierungshilfe:

  • Acceptable in the 80’s – Calvin Harris
  • A Little Less Conversation – Elvis Presley
  • Bebe – Divine Brown
  • Can’t Get You Out of My Head – Kylie Minogue
  • Cotton Eye Joe – Rednex
  • Hot n’ Cold – Katy Perry
  • Dare – Gorillaz
  • Eye of the Tiger – Survivor (Rocky-Soundtrack)
  • Fame – In the style of Irene Cara (Cover-Version)
  • Funplex CSS – The B 52’s
  • Girls and Boys – Blur
  • Girls Just Want to Have Fun – Cindi Lauper
  • Groove is in the Heart – Dee-Lite
  • Heart of Glass – Blondie
  • I Get Around – The Beach Boys
  • I Like to Move it – Reel To Real
  • Jerk it Out – Caesars
  • Jin Go Lo Ba – Fat Boy Slim
  • Kids in America – Kim Wilde
  • Le Freak – Chic
  • Louie Louie – Iggy Pop
  • Lump – The Presidents Of The USA
  • Mashed Potato Time – Dee Dee Sharp
  • Pump up the Jam – Technotronic
  • Ring My Bell – Anita Ward
  • Step by Step – New Kids On The Block
  • Surfin’ Bird – The Trashmen
  • That’s the Way (I Like it) – Kc & The Sunshine Band
  • U Can’t Touch This – MC Hammer
  • Wannabe – The Spice Girls
  • Who Let the Dogs Out? – Baha Men
  • Womanizer – In the style of Britney Spears (Cover-Version)

Hier geht es zur “offiziellen Seite” (Link) – dass das ein Youtube-Kanal ist, sollte einen nicht weiter überraschen. Was gibt’s überzeugenderes, als fremden Leuten beim Tanzen auf “U Can’t Touch This” zuzusehen ;-)

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