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#0016: Sarkasmus ex machina

Israelische Wissenschaftler haben ein Programm entwickelt, das Sarkasmus erkennt. War dringend nötig. Ich kann kaum erwarten, dass Facebook das als Applikation einbindet. Bei Freundschaften und Familienbeziehungen gibt es schließlich nichts wichtigeres als verstanden zu werden, oder?

Auf Golem.de war’s zu lesen: 66.000 Produktrezensionen auf Amazon haben die Entwickler ausgewertet, um ihr Programm zu schreiben. Sobald drei Tester eine Bemerkung als sarkastisch einstuften, wurde diese als Beispielsatz ausgewählt und dann wiederholt geprüft. Das Ergebnis fütterten die Informatiker in ihr “Semi-supervised Algorithm for Sarcasm Identification” -Programm (SASI) und jetzt erkennt es Sarkasmus zu 77 Prozent. Ich verneige mich ehrfürchtig vor Oren Tsur, Dmitry Davidov und Ari Rappoport von der Hebräischen Universität in Jerusalem für diese Großtat.

Ein weniger auf “Political Correctness” bedachter Schreiber würde jetzt freilich auf die Ironie hinweisen, dass Sarkasmus und jüdische Schwiegermütter oft in schicksalshafter Beziehung zueinander stehen sollen… Aber wir sind hier nicht in einer amerikanischen Sitcom… Und ich bin stets political correct…

Dieses Programm kam gerade noch rechtzeitig! Was habe ich mich immer darüber geärgert, dass die Leute meinen Sarkasmus nicht als solchen erkennen. Dauernd halten mich Bekanntschaften für “nett”, “umgänglich” oder sogar “witzig”. Dabei bin ich nur ätzend, sauertöpfisch und ein Misanthrop!

Aber bald kann ich meinen Mitmenschen einfach eine CD in die Hand drücken und schwupps: Nachdem sie das Programm auf meine E-Mails anwenden, ist die Freundschaft passé und ich hab meine Ruhe. Danke Oren Tsur, Dmitry Davidov und Ari Rappoport… Echt. Danke. Wer will schon zwischenmenschliche Beziehungen.

Ich frage mich, wie dieses Programm mit meinen “Dr. House” -DVDs harmonieren würde? Wahrscheinlich explodiert der Arbeitsspeicher meines PCs.

Und erst der Nutzen für Wirtschaft und Politik! Endlich verstehen brutale Diktatoren, wenn ein Dichter verdeckte Kritik an ihrer Herrschaft übt mit seinen Werken! Und erst die ganzen ironischen E-Mails im Geschäftsleben, die endlich verstanden werden. Wie Praktisch! Das lässt sich sicher noch ausbauen. Äsop wäre begeistert gewesen!

Douglas Adams hat im Buch “Per Anhalter Durch Die Galaxis” über seinen “Babel Fish” folgendes geschrieben (Ich habe das Zitat frei übersetzt – oh, die Ironie):

“The Babel fish, by effectively removing all barriers to communication between different races and cultures, has caused more and bloodier wars than anything else in the history of creation.”

“Der Babelfisch hat mehr und blutigere Kriege verursacht, als alles andere in der Geschichte – Indem er sämtliche Sprachbarrieren zwischen den verschiedenen Spezies und Kulturen beseitigte.”

Ich bin überzeugt, dass die Erfindung von Oren Tsur, Dmitry Davidov und Ari Rappoport kein bisschen zu einer solch verheerenden Entwicklung beitragen wird! Niemals! Und was kann schon so schlimm daran sein, wenn wir all die kleinen Spitzen und Sticheleien verstehen, die täglich auf uns einprasseln? Will man doch wissen!

Vielleicht sollte ich auf Psychiater umschulen – diesem Beruf steht ein gewaltiger Einkommensschub bevor.

Ach ja: Ein Blogger-Kollege hat folgenden Youtube-Clip aus den “Simpsons” aufgespürt. Jetzt ohne jeden Sarkasmus: Hut ab! Passt perfekt!

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