Wenn der Papst oder US-Präsident Barack Obama Nürnberg besuchen kämen: sie könnten im “Neuen Museum” ihre Leibwächter getrost vor der Tür lassen. So aufmerksam beobachtet würde nicht einmal Megan Fox in einer Herrenumkleide.
Kürzlich waren meine Freundin und ich im “Neuen Museum”, um uns die Wandzeichnungen von Gerhard Mayer und diverse andere Stücke der Sammlung anzusehen. Um es vorweg zu nehmen: die Ausstellung ist klasse und es sind viele Werke dabei, die auch einen zweiten Besuch rechtfertigen. Künstlerisch gibt es keinen Grund zu meckern.
Was uns allerdings irritierte, war die intensive “Beschattung” durch die anwesenden Museumswärter.
Keine Frage: Wenn Besucher in Hundertschaften durch die Räume streifen, ist eine allgegenwärtige Aufsicht zwingend erforderlich. Schließlich trennen im “Neuen Museum” weder Schranken noch Glasscheiben Betrachter und Kunstwerke voneinander. Viele Exponate würden die Gäste geradezu verführen zum Ausprobieren… Designerstühle und ästhetisch ansprechende Schreibmaschinen verlocken vor allem Kinder, wenn man nicht aufpasst…
Aber an diesem Tag, zu dieser Stunde, waren genau zwei Gäste im Museum… Und das waren wir.
Daher kam es uns schon komisch vor, als wir immer von zwei bis vier Wärtern gleichzeitig im Blick behalten wurden. Wo wir auch hinkamen: Sie standen bereits gesammelt im Raum, gingen uns nach, lugten hinter Ecken hervor oder kreuzten scheinbar demonstrativ unseren Weg. Mehr noch: Sie schienen sich sogar per Funkkontakt untereinander zu koordinieren. Die zahlenmäßige und taktische Überlegenheit der Wärter war bedrückend.
Insgesamt waren sieben bis acht Museumswärter konstant auf den Beinen, um uns zwei von Unsinn abzuhalten.
Ob es vielleicht sinnvoller gewesen wäre, uns einfach direkt einen Wärter zuzuteilen, der uns durch die Räume begleitet? Vielleicht waren wir auch selbst schuld: Wir hätten ja auch eine offizielle Führung mitmachen können. Freie Kunst ist in Deutschland schließlich schon immer ein Minenfeld gewesen.
Auf meine schriftliche Anfrage beim “Neuen Museum” reagierte man prompt und sehr freundlich:
Da man im Tagesbetrieb keine Videosysteme oder technische Überwachung einsetze, läge die gesamte Verantwortung bei den Aufsichten. Diese kämen ihrer Verantwortung sehr umfänglich nach, ohne Beanstandungen des größten Teils der Besucher. Man nehme meine Berichterstattung dennoch sehr ernst, werde mit der eingesetzten Aufsichtsfirma sprechen und überlegen, wie sich die Situation angenehmer gestalten ließe.
Man bot uns als Entschädigung außerdem zwei Freikarten an, die wir jedoch dankend ablehnten.
Bleibt zu hoffen, dass man im “Neuen Museum” die Aufsicht diskreter hinbekommt, ohne die Exponate hinter Glas verbannen zu müssen oder in Gefahr zu bringen.
Wir lernen daraus: Der freie Zugang zur Kultur bleibt eine gesellschaftliche Gratwanderung… Schon Thomas Jefferson wusste: “Der Preis der Freiheit ist ewige Wachsamkeit.”
Jefferson hätte bestimmt einen tollen Museumswärter abgegeben.
