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#0023: Von wegen schrecklich: “Für immer Shrek”

Wir sitzen im Kino, der Abspann läuft, ich reibe die Augen und frage mich: “Bin ich zu blöd für den Feuilleton?” Im Gegensatz zu den meisten Profi-Kritikern fand ich “Für immer Shrek” in 3D richtig gut.

Für immer Shrek - in 3D

Und nein: Ich werde jetzt nicht die Handlung des vierten Shrek-Films zusammenfassen. Es geht mir weniger um den Oger als um seine Kritiker.

Natürlich gab es da durchaus positive Rezensionen, aber die Mehrzahl der Schreiberlinge haute richtig derbe Verrisse raus:

“Dreistigkeit in 3-D” (FAZ.net)…

“ironisches Porträt des entmachteten modernen Mannes […] verkommt zum flachen Popcornkino-Krawall” (Spiegel.de)…

“Müde Witze vom Oger-Fließband” (TV Spielfilm)…

“Es hätte so schön werden können” (Die Welt)…

“reichlich piefig” (Berliner Zeitung)…

Die Süddeutsche fand den Film ganz gut, war aber vom 3D-Effekt genervt: “In einem fort zappelt irgendetwas”…

Tja, und dann komme ich aus dem Kino. Gut gelaunt. Unterhalten. Positiv überrascht… Nichts zu meckern… Ausgerechnet ich…

Sind mir massenweise Gag-Fehlzünder entgangen? War da nicht vielleicht doch ein Mangel an Tiefgang? Hab’ ich den vierten Shrek vielleicht falsch geguckt? Da kann doch was nicht stimmen?

Ich kann die Kritiker ja verstehen: Jedes mal die gleiche Tretmühle, wenn ein neuer 3D-Animations-Film rauskommt:

Kneifende 3D-Brillen, flimmernd schnelle Schnitte bis zur Epilepsie und dutzende Dolby-Lautsprecher donnern von allen Seiten bis einem die Ohren bluten. Filme professionell zu besprechen ist heute kein Traumberuf mehr.

Und dann auch noch einen Kinderfilm: Ein Kino voll kleiner, schreiender Monster, die alle Nase lang Fragen stellen und auf den Sesseln auf und ab hüpfen. Gebrüll auf der Leinwand UND im Kinosaal… Da vergehen einem die lobenden Worte.

Wie passend, dass Shrek im vierten Film ebenfalls ein Opfer des nervigen Alltags mit Kindern wird. Der Oger und seine Kritiker haben da vielleicht mehr gemeinsam als sie denken:

Beide müssen schreiende Kinder erdulden und damit zurecht kommen, dass sich die Zeiten unwiederbringlich ändern. Was heute im Kino läuft, ist oft nur Computeranimierte Massenbespaßung. Kinder sind nicht mehr gewohnt, still zu sitzen. Die Kombination aus beidem schlägt unvermeidlich aufs Gemüt.

Mit einer solchen Perspektive MUSS man ja verbissen schreiben. Das schreit nach grummeliger Griesgrämigkeit und melancholischen “Früher war alles besser” -Hymnen!

Nur, warum fand ich den Film dann derart gut?

Es lag vermutlich an der packenden Action, den witzigen Dialogen und den kleinen eingestreuten Spitzfindigkeiten für Erwachsene, gepaart mit liebevollen Animationen – sogar die deutsche Synchonfassung war geglückt!

Ja… Sorry… ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Ich bin fast trotzig positiv gestimmt. Ich fand den vierten Shrek halt wirklich nicht schlecht. Ich geh demnächst zum Arzt oder so. Mein Zynismus ist kaputt.

Naja… Ich habe mich bei dieser “Was wäre wenn” -Geschichte schon gefragt, was aus den Bösewichten der Vorgänger geworden war… Aber Schwamm drüber.

Als Rumpelstilzchen (Englisch: Rumpelstiltskin!) im Paralleluniversum die Macht ergriff, haben sich Lord Farquaad, die “gute Fee”, Prinz Charming und Konsorten wahrscheinlich aus dem Staub gemacht.

Filme im Stil von Frank Capras “Ist das Leben nicht schön” (Englisch: “It’s a wonderful life”) mit dem altbekannten “Held wurde nie geboren und sieht, wie die Geschichte ohne ihn verläuft” -Schema, geraten oft in Erklärungsnot für solche Denkfehler.

Aber von diesen kleinen Handlungslöchern mal abgesehen, war “Für immer Shrek” echt prima Kino. Kurzweilig, knackig und geradezu klug. Mehr hab ich nicht erwartet. Eher weniger.

Am Ende lohnt es sich eben doch, selbst ins Kino zu gehen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Aber Achtung, wenn Sie kinder mitbringen! Es könnte ein Kritiker vor Ihnen sitzen… Wobei… Was den nicht umbringt, macht ihn bitter… Was sich wiederum besser im Feuiletton verkauft… Sie tun ihm damit also sogar einen Gefallen… Vermutlich.

Hier die beiden deutschen Trailer zum Film:

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