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#0024: Der Faenwolf unter’m heißen Dach

Meine Kakteen haben heute Morgen mit Bannern und Trillerpfeifen vor meinem Bett demonstriert. Ich soll gefälligst umziehen – ihnen sei es zu heiß in meiner Dachwohnung.

Und ganz unrecht haben die Topfpflanzen vielleicht nicht: Mein Thermometer zeigte mit letzter Kraft 34 Grad Celsius, dann tropfte es vom Regal wie eine von Salvador Dalís berühmten Uhren.

Zum Glück habe ich schon einige Sommer in Dachwohnungen überlebt und weiß, wie man mit so einer Hitzewelle fertig wird. Aufgemerkt:

Trink, Trink, Brüderlein Trink…

Regel Nummero Eins: Viel Wasser, Apfelsaftschorle oder kühlen Tee trinken. Betonung liegt auf viel. Flüssigkeiten am besten ohne Alkohol und über den Tag verteilt… So simpel, dass ich gar nicht weiter drauf eingehen will.

Eiskalte Früchtchen für’s Gemüt

Ein echter “Geheimtip” für Naschkatzen: Gefrorene Früchte aus der Kühltruhe. Besonders Heidelbeeren lutschen sich bei dem Wetter prima, sind gesund, erfrischend und bedrohen nicht die Strand-Figur. Außerdem färbt sich die Zunge blau wie bei einem Eisbär. Alternativ kann man mit einem starken Mixer, einem Schuss Milch und etwas Zucker ruck-zuck leckere Instant-Eiscreme aus den Früchten zaubern. Merke: Frisches Erdbeereis kommt besonders bei den Ladies gut an.

Wer lüften kann, ist klar im Vorteil.

Die einen sagen, man solle die Fenster immer geschlossen halten. Andere behaupten, draußen und drinnen ist es sowieso gleich heiß und somit bringt Verbarrikadieren nix… Offene Fenster seien aber besser, wegen Zugluft.

Solche Diskussionen sind im Großraumbüro gefürchtet und provozieren brutale Keilereien zwischen Mitarbeitern. In diesem Fall unbedingt einen Liegestuhl und Popcorn bereithalten und andere Kollegen nicht dazwischengehen lassen.

Zu Hause bin ich flexibel: Um die Hitze draußen zu halten, sind sowieso die Rollos wichtiger als die Fenster. Durchzug ist aber tatsächlich ein Schlüssel zum kühlen Heim, denn stehende Luft ist tödlich.

Also immer dort die Fenster AUF, wo die Sonne gerade NICHT scheint.

Die Fenster samt Rollläden ZU, wo zu viel Licht in die Wohnung strahlt.

Man muss schon ein wenig mitdenken, aber das bisschen Gehirnjogging sollte sogar bei so einer Hitze möglich sein.

Du und Dein Rollladen

Rollos auf der Innenseite der Fenster könnte man getrost abmontieren – das Licht heizt die Bude trotzdem wie ein Treibhaus, denn die Wärme kann nicht zurück durchs Fensterglas nach draußen. Wer die Sonne wirklich abwehren will, muss sie VOR der Scheibe stoppen.

Das einzige, was Jalousien innen bringen, ist Privatsphäre durch Sichtschutz. Das hat natürlich den Vorteil, dass man nackt durch die Wohnung flitzen kann. Durchaus nicht verkehrt, bei den Temperaturen – aber wehe wenn Besuch vor der Tür steht.

I wanna’ fly away… Yeah!

Was ich unbedingt empfehle, sind Fliegengitter. Die gibt’s in diversen Ausführungen im Baumarkt… Ob die einfache Varianten zum Kleben in den Fensterrahmen, mit Klett-Funktion, reflektierend als Sonnenschutz oder sogar für schräge Dachfenster zum Kippen – die Auswahl ist groß und die Anschaffung lohnt sich. Gib Mücken keine Chance!

Bewegt die Luft!

Ein Ventilator – an der richtigen Stelle – bringt den nötigen Schwung ins Raumklima. Damit steigert man gehörig das Wohlbefinden. Ich benutze einen großen Standventilator, um den Durchzug zwischen den offenen Fenstern zu verbessern. Vor der Anschaffung sollte man möglichst im Laden testen, wie leise das Gerät läuft.

Warum keine Klimaanlage?

Eine Klimaanlage, die wirklich etwas taugt, kann man sich als Normalbürger kaum leisten. Auch wenn die Werbung anderes verspricht. Nachgerüstet kostet ein gutes Gerät samt Installation tausende Euro.

Ich hab’ mal mit einem Experten für Server-Klimaanlagen darüber geplaudert: Was man so im Baumarkt bekommt, verbraucht enorm viel Strom, ist unerträglich laut und bringt vergleichsweise wenig. Selbst ein kleiner 20 Quadratmeter-Verschlag braucht ewig um kühl zu werden. Im Betrieb kann man (bzw. die Nachbarn) ruhigen Schlaf vergessen und die Montage ist recht anspruchsvoll, wenn man’s richtig machen will. Besser, man spart das Geld und fährt nach Grönland oder so…

Feucht und fröhlich

Bei extremer Hitze und robuster Immunabwehr (Stichwort: Zugluft) kann man sich auch die “Verdunstungskühlung” (bzw. “Siedekühlung”) zu Nutze machen: Ein T-Shirt, ein Handtuch, Muttis Tischdecke, ein beliebiges Stück Stoff… Einfach nass machen, auswringen bis es gerade noch feucht ist und dann über die Schultern oder den Kopf legen. Der Lappen wird augenblicklich kühl. Danke Naturwissenschaften! Ansonsten empfiehlt sich natürlich häufiges Duschen und sparsames abtrocknen danach. Wasser ist bei dem Wetter der beste Freund.

Ich bin denn mal weg…

Zu guter Letzt gibt es noch ein totsicheres Rezept für einen kühlen Kopf: Raus aus der Wohnung! Vor allem, wenn man unterm Dach lebt.

Ich sitze beispielsweise gerade in einem Eiscafé und tippe auf meinem Netbook wie ein echter Juppie-Schnösel. Wem das zu protzig ist, liest ein Buch oder in “THEATERheute”. Wem das zu intellektuell ist, hört Musik auf dem Handy (Kopfhörer benutzen)… Egal, hauptsache man ist NICHT zu Hause.

Mal ehrlich: Wenn’s um’s Überleben geht, sollte selbst die überzeugte Couchkartoffel ihr Domizil verlassen und auf Wandschaft gehen. Biergärten, Schwimmbäder, klimatisierte Einkaufszentren, U-Bahn-Stationen, Burgverließe, Waldwanderwege… Erlaubt ist, was kühl ist.

Aber Achtung: Sonnencreme nicht vergessen, Sonnenbrille einpacken und Mütze aufziehen! Keine Panik, wenn es draußen komisch riecht: Das nennt man “Frischluft”. Relativ harmlos. Ruhig weiteratmen.

Mit gesundem Menschenverstand übersteht also auch das geplagteste Dachwohnungs-Opfer diesen Sommer ohne im Krankenhaus zu landen.

Ich gönn’ mir jetzt noch ein Eis und wünsche einen kühlen Abend beim Fußballgucken. Deutschland-Uruguay wird sicher ein heißes Match…

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