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#0026: Software statt Menschen?

Melancholisch-einsichtig titelt Golem: “Software eliminiert Menschen” – Als ob das in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit etwas neues wäre.

Im Artikel geht es freilich nicht um die Automatisierung ganzer Industriezweige und den Wegfall diverser Berufsgruppen, weil ein Computer den Job besser macht. Der Beitrag behandelt auch keine Killerprogramme in automatischen Militär-Dronen oder andere Mordszenarien.

Es geht um “Google Street View” und ein Programm, das die unfreiwillig fotografierten Menschen aus den Straßenfotos tilgt. Angesichts Golems reißerischer Überschrift fast ein bisschen banal.

Bedenkt man die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, bekommt das Wort “eliminieren” andererseits tatsächlich prophetische Züge. Aber muss das sein?

Wäre doch toll, wenn Google zum Beispiel die vielen arbeitslosen Mediengestalter mit der Fotoretusche beschäftigen würde, statt schon wieder einen aufwändig programmierten Algorithmus über ihre Bilder zu jagen. Gibt doch genug menschliche “Photoshopper” für den Job…

Heute wollen gefühlte 80 Prozent der Jugendlichen irgendetwas “mit Medien” lernen. Auch wenn die Branche noch so überlaufen ist, stellen sich brav neue Nachwuchs-Mediengestalter in die Schlange vorm Arbeitsamt.

Früher gab es zwischen Designer und Druck noch diverse Arbeitsschritte. “Druckvorstufe” nannte sich das. Da wurden Fachkräfte beschäftigt, die heute nicht mehr nötig sind, weil die Designer mit dem Computer das meiste selbst erledigen können und als PDF-Datei direkt an die Druckerei schicken. Wo sind die Reprofotografen, Lithographen und Schriftsetzer hin? Hier gilt wirklich: “Software eliminiert Menschen”.

Wir halten auch sonst viele kreative Fähigkeiten für rein menschlich. Angesichts mancher Entwicklungen der Vergangenheit geradezu töricht.

Wenn in ein paar Jahren eine künstliche Intelligenz den ersten automatisierten Bestseller geschrieben hat, werden wir hoffentlich nicht mehr auf einen Arbeitsplatz zum Lebenserhalt angewiesen sein…

Auf ein solches Gesellschaftsmodell bin ich gespannt… Ich meine das nicht einmal sarkastisch. Chancen und Gefahren gehen in dieser Sache Hand in Hand. Science Fiction? Vielleicht. Aber wie lange?

Wir müssen aufpassen, dass Maschinen nicht auch noch bessere Konsumenten werden. Sonst werden wir Menschen tatsächlich überflüssig.

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