Ein neuer Trend zeichnet sich gerade im nahen Osten ab. Schon wieder endet die Karriere eines Gewaltherrschers in einem Loch. Nur diesmal ohne Galgen.
Gaddafi ist tot. Und anders als bei Osama Bin Ladens blutigem Abgang werden sich die Politiker wohl diesmal kräftig auf die Zunge beißen, bevor sie verhalten lächelnd in die Kameras gratulieren. Gelle, Frau Merkel? Denn Gadaffis Ableben war dann doch zu unappetitlich, als dass man sich so richtig offen für das lybische Volk freuen mag.
Keine Frage: Für die Rebellen ist der Tod des verhassten Diktators ein Sieg. Und er hatte oft genug selbst den Säbel geschwungen, so dass sein Ende durch ein metaphorisches Schwert nicht verwundert. Trotzdem hinterlässt die drastische Schilderung seines Exitus auf Spiegel.de einen staubtrockene Kehle. Ein Gerichtsprozess wäre ein besseres Ende gewesen. Zumindest sauber. Auch moralisch. Und da hätten die Politiker auch wieder einen Grund gehabt, lächelnd in die besagten Kameras zu gratulieren. Ob Guido Westerwelle auch dabei gewesen wäre?
Andererseits ist es interessant, mit welchem Titel die Kollegen diesen Artikel aufgemacht haben: “Gadaffi verkroch sich im Abwasserkanal“. Klingt nass, kalt und dreckig. Erinnert einen gleich an Saddam Hussein und sein Lochversteck. Dem bösen Satiriker in mir fällt dazu folgendes ein:
Schmutzig geht die Autokratie zugrunde? Despoten sollten sich schon mal warm (und wasserfest) anziehen, wenn das Schule macht. Wo könnten sie eines Tages Kim Jong-il herausziehen? Aus einem Müllcontainer in der hintersten Ecke von Pjöngjang? Sucht sich der weißrussische “Präsident” Lukaschenko schon mal einen gemütlichen Keller in Minsk? Machen afrikanische Diktatoren bald eine unterirdische WG auf?
Schaun mer mal, sagt der Franke.
EDIT: Es gibt erste Reaktionen der internationalen Spitzenpolitik. Siehe -HIER-. Wie es aussieht, haben ein paar Regierungschefs dazugelernt. Jedenfalls formulieren sie vorsichtiger.

