Erwischt! So eine griffige Überschrift lockt ein paar Leser. Bitte entschuldigt meine Unpräzision. Eigentlich müsste es heißen: “Image ist Alices Papst und der Papst ist der Caritas’ Gaddafi”.
Gerade werden zwei Fälle in der Presse durchgekaut, die beide etwas mit freier Meinungsäußerung, Arbeitsrecht und Image zu tun haben. In der ersten Geschichte geht es um einen katholischen Pfleger, der in einem Krankenhaus der Caritas gearbeitet hatte und nun seinen Job los ist. (siehe Süddeutsche).
Ihm wurde zum Verhängnis, dass er den Papst im Netz unter einem Pseudonym schmähte. Der Pfleger wurde erwischt, bekam einen Aufhebungsvertrag, klagte aber gegen die zwölfwöchige Sperrzeit bis zum Arbeitslosengeld. Das Gericht in Stuttgart entschied gegen ihn und stellte auch die Rechtmäßigkeit der Kündigung fest. Die Richter nannten seine Äußerungen “polemisch und auf niedrigem Niveau angesiedelt”. Dadurch sei das Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber zerstört worden und der Rausschmiss rechtens.
Oha! Muss ich jetzt befürchten, dass ich nicht mehr ordentlich behandelt werde, wenn ich den Papst im Netz geschmäht habe? Gilt das nur für den aktuellen Papst? Oder für die Kirche als solche? Die Religion? Ist das Niveau meiner negativen Äußerungen maßgeblich? Was ist, wenn ich an Gott glaube, aber aus der Kirche ausgetreten bin? Muss ich im Ernstfall erst konvertieren, bevor sich ein Pfleger um mich kümmern darf?
Achso?! Das Gilt nur für das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Und nur bei Einrichtungen, die von einer Kirche getragen werden? Trotzdem irgendwie mittelalterlich. Dem Glauben des Herrschers hat der Bauer zu folgen. Andererseits reden wir von der katholischen Kirche. Mittelalterliche Ansichten sind da öfters die Norm. Tja. Nach diesen Zeilen brauche ich wohl keinen Lebenslauf mehr an die Caritas zu schicken. Wen interessieren schon Qualifikationen oder Engagement, wenn einer in seiner Freizeit als Hobby-Ketzer herumläuft?
Aber kommen wir zum zweiten Fall. Bei der Telefónica Germany geht es um “Alice”, genauer gesagt um das Model Vanessa Hessler, das der Marke ihr Gesicht geliehen hat (siehe Golem).
Die junge Dame war vier Jahre lang mit Mutassim al Gaddafi zusammen und hatte neulich in einer italienischen Frauenzeitschrift über den Diktatorensohn und seine Sippe geplaudert. Dabei kam der Clan ziemlich gut weg. Na so was. Die Frau war vier Jahre mit dem Kerl zusammen. Eigentlich nur lobenswert, dass sie sich danach nicht hinstellt und heuchelt: “Ja, vier Jahre lang waren mir die Berichte von den Gräueltaten und Verbrechen der Gaddafis egal, aber jetzt, nach ihrem Sturz, verabscheue ich diese Leute zutiefst und bin froh, dass sie tot sind!”
Damit hat Frau Hessler einen moralischen Vorsprung vor etlichen Politikern und Wirtschaftsbossen, die viele Jahre lang mit Lybien und seinem Regime gute Geschäfte gemacht haben und gerade fleißig ihre Hände in Verdrängung waschen. Wie? Gaddafi? Kennen wir nicht. Bin über diesen Link gestolpert, der das schön illustriert: “Gaddafis Freunde”.
Ene mene muh…
In beiden Fällen war der Rausschmiss juristisch korrekt. In beiden Fällen hinterlässt er einen unangenehmen Nachgeschmack.
Klar ist ihr Image für die Telefónica so wichtig wie die Papsttreue für die Caritas.
Aber die Firma “Alice” hätte dem Diktatorenspross wohl kaum einen Handyvertrag aus moralischen Gründen verweigert. Oder was wäre gewesen, wenn die lybische “Regierung” damals mit viel Geld gewunken hätte für den Aufbau eines Mobilfunknetzes? In Europa und Lateinamerika ist die Telefónica schließlich gut im Geschäft. Ob da alle Kunden auf Imagetauglichkeit abgeklopft wurden? Das Gesicht muss sauber bleiben, aber die Einnahmen dürfen ruhig schmutzig oder gar blutig sein?
Und dem Papst ist es wahrscheinlich wurscht, dass irgendwo in Deutschland ein Angestellter der Caritas abfällig über ihn schreibt. Als guter Katholik sollte er eh die andere Wange hinhalten und den ersten Stein brav am Boden liegen lassen. Oder doch nicht? Kindesmissbrauch kann man verzeihen – schuldige Geistliche einfach versetzen – aber wenn ein Pfleger gegen den Papst flegelt fliegt er raus?
So zeigt sich, dass beide Firmen etwas gemeinsam haben: Anspruch und Wirklichkeit klaffen ziemlich auseinander. Der Rest ist Sache der Arbeitsagentur.

