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Erwischt! So eine griffige Überschrift lockt ein paar Leser. Bitte entschuldigt meine Unpräzision. Eigentlich müsste es heißen: “Image ist Alices Papst und der Papst ist der Caritas’ Gaddafi”.
Gerade werden zwei Fälle in der Presse durchgekaut, die beide etwas mit freier Meinungsäußerung, Arbeitsrecht und Image zu tun haben. In der ersten Geschichte geht es um einen katholischen Pfleger, der in einem Krankenhaus der Caritas gearbeitet hatte und nun seinen Job los ist. (siehe Süddeutsche).
Ihm wurde zum Verhängnis, dass er den Papst im Netz unter einem Pseudonym schmähte. Der Pfleger wurde erwischt, bekam einen Aufhebungsvertrag, klagte aber gegen die zwölfwöchige Sperrzeit bis zum Arbeitslosengeld. Das Gericht in Stuttgart entschied gegen ihn und stellte auch die Rechtmäßigkeit der Kündigung fest. Die Richter nannten seine Äußerungen “polemisch und auf niedrigem Niveau angesiedelt”. Dadurch sei das Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber zerstört worden und der Rausschmiss rechtens.
Oha! Muss ich jetzt befürchten, dass ich nicht mehr ordentlich behandelt werde, wenn ich den Papst im Netz geschmäht habe? Gilt das nur für den aktuellen Papst? Oder für die Kirche als solche? Die Religion? Ist das Niveau meiner negativen Äußerungen maßgeblich? Was ist, wenn ich an Gott glaube, aber aus der Kirche ausgetreten bin? Muss ich im Ernstfall erst konvertieren, bevor sich ein Pfleger um mich kümmern darf?
Achso?! Das Gilt nur für das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Und nur bei Einrichtungen, die von einer Kirche getragen werden? Trotzdem irgendwie mittelalterlich. Dem Glauben des Herrschers hat der Bauer zu folgen. Andererseits reden wir von der katholischen Kirche. Mittelalterliche Ansichten sind da öfters die Norm. Tja. Nach diesen Zeilen brauche ich wohl keinen Lebenslauf mehr an die Caritas zu schicken. Wen interessieren schon Qualifikationen oder Engagement, wenn einer in seiner Freizeit als Hobby-Ketzer herumläuft?
Aber kommen wir zum zweiten Fall. Bei der Telefónica Germany geht es um “Alice”, genauer gesagt um das Model Vanessa Hessler, das der Marke ihr Gesicht geliehen hat (siehe Golem).
Die junge Dame war vier Jahre lang mit Mutassim al Gaddafi zusammen und hatte neulich in einer italienischen Frauenzeitschrift über den Diktatorensohn und seine Sippe geplaudert. Dabei kam der Clan ziemlich gut weg. Na so was. Die Frau war vier Jahre mit dem Kerl zusammen. Eigentlich nur lobenswert, dass sie sich danach nicht hinstellt und heuchelt: “Ja, vier Jahre lang waren mir die Berichte von den Gräueltaten und Verbrechen der Gaddafis egal, aber jetzt, nach ihrem Sturz, verabscheue ich diese Leute zutiefst und bin froh, dass sie tot sind!”
Damit hat Frau Hessler einen moralischen Vorsprung vor etlichen Politikern und Wirtschaftsbossen, die viele Jahre lang mit Lybien und seinem Regime gute Geschäfte gemacht haben und gerade fleißig ihre Hände in Verdrängung waschen. Wie? Gaddafi? Kennen wir nicht. Bin über diesen Link gestolpert, der das schön illustriert: “Gaddafis Freunde”.
Ene mene muh…
In beiden Fällen war der Rausschmiss juristisch korrekt. In beiden Fällen hinterlässt er einen unangenehmen Nachgeschmack.
Klar ist ihr Image für die Telefónica so wichtig wie die Papsttreue für die Caritas.
Aber die Firma “Alice” hätte dem Diktatorenspross wohl kaum einen Handyvertrag aus moralischen Gründen verweigert. Oder was wäre gewesen, wenn die lybische “Regierung” damals mit viel Geld gewunken hätte für den Aufbau eines Mobilfunknetzes? In Europa und Lateinamerika ist die Telefónica schließlich gut im Geschäft. Ob da alle Kunden auf Imagetauglichkeit abgeklopft wurden? Das Gesicht muss sauber bleiben, aber die Einnahmen dürfen ruhig schmutzig oder gar blutig sein?
Und dem Papst ist es wahrscheinlich wurscht, dass irgendwo in Deutschland ein Angestellter der Caritas abfällig über ihn schreibt. Als guter Katholik sollte er eh die andere Wange hinhalten und den ersten Stein brav am Boden liegen lassen. Oder doch nicht? Kindesmissbrauch kann man verzeihen – schuldige Geistliche einfach versetzen – aber wenn ein Pfleger gegen den Papst flegelt fliegt er raus?
So zeigt sich, dass beide Firmen etwas gemeinsam haben: Anspruch und Wirklichkeit klaffen ziemlich auseinander. Der Rest ist Sache der Arbeitsagentur.
Achso? Wir werden regiert von Sicherheitsbeamten, die dem Recht und dem Gesetz verpflichtet sind? Dann sollten die Abgeordneten aber schleunigst ihrer Uniformpflicht nachkommen.
Aber der Reihe nach. Anonymus hatte mit seinen (bestimmt) ausgetüftelten Computern die Seite des CSU-Abgeordneten Dr. Hans-Peter Uhl gehackt und einen Mitschnitt aus dem Parlamentsfernsehen vom 19.10.2011 darauf eingefügt. Das Ergebnis sieht man bei den Kollegen auf Golem.de.
Zur Erklärung: Dieser nette ältere Herr ist nicht nur Mitglied des Bundestags für die CSU und “Vorsitzender der Arbeitsgruppe zur Innenpolitik der Unionsfraktion im Bundestag”, sondern auch gar nicht gut auf den Chaos Computer Club, Hacker, Piratenparteiler und andere Menschen zu sprechen, die ihre Internetseiten nicht ausdrucken mögen. Ja, ich kann es nicht beweisen, aber ich glaube fest daran, dass Herr Uhls Assistenten ihm täglich stapelweise Ausdrucke von Internetseiten auf den Tisch legen.
Jedenfalls findet Herr Dr. Uhl, der Staatstrojaner habe “überall nur das getan, was er darf.” Auch wenn das gar nicht stimmt. Blöd halt, dass der CCC die illegalen Machenschaften des Staatstrojaners aufgedeckt und belegt hat. Alles sehr schön zusammengefasst vom Spiegel.
In seiner Rede zur aktuellen Stunde im Bundestag (Thema: Der Staatstrojaner) wollte Uhl dann offenbar besonders originell gegen die ungeliebten Mitglieder des CCC und der Piratenpartei sticheln, und verstieg sich dabei zu dieser Stilblüte:
“Deswegen sage ich, das Land ist nicht außer Kontrolle, wie heute ein Kommentator einer großen deutschen Zeitung schwadroniert. Es ist nicht außer Kontrolle, sondern das Land wird von Sicherheitsbehörden geleitet, die sehr kontrolliert, sehr sorgfältig, sehr behutsam mit dem sensiblen Instrument der Quellen-TKÜ umgeht – und so soll es auch sein. Das heißt, es wäre schlimm, wenn zum Schluß unser Staat regiert werden würde von Piraten und Chaoten aus dem Computerclub, es wird regiert von Sicherheitsbeamten, die dem Recht und dem Gesetz verpflichtet sind.”
So ungefähr stelle ich mir das in der Praxis vor. Denn wenn Herr MdB Dr. Uhl derart vehement drauf besteht, dass unsere Volksvertreter in Wahrheit Sicherheitsbeamte sind, sollten die Damen und Herren im Dienst auch ihre Uniformen tragen. Das gehört sich einfach.
So ein schicker Polizeihelm würde auch diverse Schläfer während einer Plenarssitzung tarnen. Und im Falle spontan militanten Volkszorns wären unsere Abgeordneten weitaus besser geschützt als bisher. Könnten sich die griechischen Politiker was abgucken. Ach ja: Besitzen unsere gewählten Repräsentanten im Bundestag eigentlich auch alle eine Nahkampfausbildung und Dienstwaffe? Hoffentlich arten hitzige Debatten dann nicht in ein nonverbales Feuergefecht aus.
Hier nun Doktor Hans-Peter Uhls Rede aus der aktuellen Stunde im Bundestag, wie sie auf Youtube zu finden war, in ihrer ganzen Verschrobenheit und Unpräzision. Viel Spaß.
Ein neuer Trend zeichnet sich gerade im nahen Osten ab. Schon wieder endet die Karriere eines Gewaltherrschers in einem Loch. Nur diesmal ohne Galgen.
Gaddafi ist tot. Und anders als bei Osama Bin Ladens blutigem Abgang werden sich die Politiker wohl diesmal kräftig auf die Zunge beißen, bevor sie verhalten lächelnd in die Kameras gratulieren. Gelle, Frau Merkel? Denn Gadaffis Ableben war dann doch zu unappetitlich, als dass man sich so richtig offen für das lybische Volk freuen mag.
Keine Frage: Für die Rebellen ist der Tod des verhassten Diktators ein Sieg. Und er hatte oft genug selbst den Säbel geschwungen, so dass sein Ende durch ein metaphorisches Schwert nicht verwundert. Trotzdem hinterlässt die drastische Schilderung seines Exitus auf Spiegel.de einen staubtrockene Kehle. Ein Gerichtsprozess wäre ein besseres Ende gewesen. Zumindest sauber. Auch moralisch. Und da hätten die Politiker auch wieder einen Grund gehabt, lächelnd in die besagten Kameras zu gratulieren. Ob Guido Westerwelle auch dabei gewesen wäre?
Andererseits ist es interessant, mit welchem Titel die Kollegen diesen Artikel aufgemacht haben: “Gadaffi verkroch sich im Abwasserkanal“. Klingt nass, kalt und dreckig. Erinnert einen gleich an Saddam Hussein und sein Lochversteck. Dem bösen Satiriker in mir fällt dazu folgendes ein:
Gadaffi und Saddam - zwei Diktatoren, ein Abgang
Schmutzig geht die Autokratie zugrunde? Despoten sollten sich schon mal warm (und wasserfest) anziehen, wenn das Schule macht. Wo könnten sie eines Tages Kim Jong-il herausziehen? Aus einem Müllcontainer in der hintersten Ecke von Pjöngjang? Sucht sich der weißrussische “Präsident” Lukaschenko schon mal einen gemütlichen Keller in Minsk? Machen afrikanische Diktatoren bald eine unterirdische WG auf?
Schaun mer mal, sagt der Franke.
EDIT: Es gibt erste Reaktionen der internationalen Spitzenpolitik. Siehe -HIER-. Wie es aussieht, haben ein paar Regierungschefs dazugelernt. Jedenfalls formulieren sie vorsichtiger.
Ein neues Heim, ein neuer Herd, neue Arbeit, neues Leben – da sollte auch das Blog nicht länger unter Staub vor sich hindämmern und wird gleich frisch poliert und umgefärbt. Nachdem ihr mir per Abstimmung mitgeteilt habt, dass meine Seite mit einem dunklen Layout besser aussieht, beuge ich mich natürlich gern der Allgemeinheit und habe wieder den tiefblauen Luxus-Look zurück gebracht.
Junge, hab ich hier lange nix mehr geschrieben! Ägypten? Ist ja kein Schnee von Gestern mehr sonder eher ein massiver Gletscher! Zeit, dass ich mein Blog und euch auf den aktuellsten Stand bringe!
Was also hat es mit dem “neuen Heim und Herd” auf sich? Meine Freundin Sandra und ich sind mittlerweile zusammen gezogen und wohnen jetzt in Altdorf bei Nürnberg. Mehr Platz, bessere Luft und ein Naturschutzgebiet vor der Haustür – das alles knapp 20 Minuten von Nürnberg entfernt. Ein echter Glücksfall! Wir fühlen uns wohl wie die Pudel!
Manche rümpfen da jetzt vielleicht ein bisschen die Nase, von wegen “Dorf” und “Pampa” und so. Aber lasst euch gesagt sein: es ist wirklich klasse hier! Die Nürnberger City ist schnell erreicht und alles was wir brauchen (schnelles Internet mit 32 Mbit! WOOT), gibt’s auch in Altdorf. Außerdem kann ich Schafe, Hühner und Rehe vom Balkon aus beobachten. Idyllischer gehts nicht. Und nein – wir vermieten unseren Balkon nicht an Jäger. Anfragen zwecklos.
Jobseitig schreibe ich nach wie vor für die MMO PRO und mittlerweile ist die Browserspiele-Seite Gamesmania.de hinzugekommen, die sich gerade im Aufbau befindet. Nächste Woche finden die “Games Developer Conference Europe” und die Gamescom 2011 in Köln statt – logisch, dass ich mir diese Events nicht entgehen lasse und dort auf so viele Terminen wie möglich den Stift schwinge und in die Netbooktasten hau, auf dass ein paar interessante Artikel dabei entstehen mögen.
So weit so gut. Ich schau, dass ich mein Blog jetzt nicht mehr so schnell einstauben lasse. Alternativ lest ihr von mir natürlich im Netz und am Kiosk. Oder ihr geht ins Theater… davon aber später mehr.
Mubaraks Rede ist vorbei und entgegen aller Erwartungen will er noch nicht abdanken sondern weiter bis September im Amt bleiben.
Sein Winkelzug, dass Vizepräsident Omar Suleiman ein bisschen vorgeschoben wird, während sich Mubarak an seinen Chefsessel klammert, täuscht freilich niemanden. Die ägyptischen Demonstranten sind wütend, das ägyptische Militär wundert sich und das Ausland macht sich weiter Sorgen.
Mubaraks Anzug ist quasi mit Benzin getränkt, die Luft im Land ist schwer von explosiven Dämpfen und dem Mann fällt nichts besseres ein, als sich eine Zigarre anzuzünden. *facepalm*. Hier ein paar Bilder auf Spiegel.de
Die Rede selbst war, offen gesagt, stinklangweilig und so ausweichend gehalten, dass selbst der Übersetzer sich über die vielen leeren Phrasen gewundert haben muss (“wiederholt der sich absichtlich ständig oder versteh ich ihn grad falsch?”). Die Übertragung im Fernsehen begann eine dreiviertelstunde später als geplant – ich frage mich, ob sie Mubarak einen Vorsprung gewähren wollten, damit er sich in einen Bunker flüchten kann, bevor die Rede ausgestrahlt wird…
Ein Trinkspiel mit den Worten “Ägypten”, “Jugend”, “Stabilität”, “Zukunft” und “Volk” hätte mir nach fünf Minuten einen Vollrausch beschert. Hätte ich dagegen auf das Wort “Rücktritt” gesetzt – Pech gehabt. Nüchtern geblieben.
Was mich grad ein bisschen nachdenklich stimmt, ist der sensationslüsternde Ton in den Nachrichten: “Wird Kairo jetzt brennen?” (lechz) “Einige Demonstranten sind auf dem Weg zum Präsidentenpalast.” (Na? Na? Wird endlich geschossen?) “Erste Rangeleien zwischen Demonstranten” (Jetzt geht’s looos, jetzt geht’s looos!)… Natürlich will einerseits niemand, dass etwas passiert, aber andererseits gilt die alte Regel: “It bleeds, it leads.”
Wir brauchen mehr Gandhis auf der Welt.
Update 11.02.2011:
Tja, so schnell kanns gehen. Ein Tag vergangen, Mubarak hat abgedankt, ein erneutes Aufflammen der Gewalt blieb aus, das Militär ist regierungstechnisch am Zug und nun wird es wirklich spannend. Wird das Versprechen von Neuwahlen in Ägypten bald eingelöst? Was passiert im Iran, im Jemen oder in Algerien nach der erfolgreichen Revolution? In Ägypten wird erst einmal sauber gemacht. Find ich gut…
Ich will es kurz machen: Der Werbespot Das Konzeptvideo zur neuen tragbaren “Next Generation Portable” Konsole von Sony lässt sich auch mit rezeptpflichtigen Beruhigungsmitteln kaum ertragen. Von der PSP 2 ist jedenfalls nichts zu sehen.
Dabei hat der Nachfolger der “Playstation Portable” ein paar interessante Features, wie zum Beispiel einen Touchscreen auf der Vorder- und ein Touchpad auf der Rückseite. Der verwendete Quadcore-Prozessor, das OLED-Display und Nettigkeiten wie zwei Kameras, GPS, Wifi und sogar UMTS (3G) klingen ebenfalls nicht übel. Ein paar erste (englischsprachige) Eindrücke von der Sony-Pressekonferenz in Tokio findet Ihr bei den Kollegen von Engadget.com und in Deutsch auf Golem.de.
Aber zurück zum Werbefilmchen… Sony ist bekannt dafür, dass seine Kampagnen ziemlich verschwurbelt daherkommen… Der folgende Clip setzt dem Schwachfug aber locker die Krone auf. Man versteht nicht richtig, worum es geht… Kreativ, lustig oder selbstironisch ist der Spot auch nicht… Er trieft vor lachhaftem Pathos und wirkt unheimlich bemüht… Schlicht ein lahmarschiger Versuch, zu einer jungen, hippen Zielgruppe durchzudringen, die es so vermutlich nur im Hirn der Werbestrategen bei Sony gibt… Zweimal kann ich mir das jedenfalls nicht angucken *schauder*.
Vor ein paar Jahren hat Flashkünstler Egoraptor dieses Gebaren schon einmal auf die Schippe genommen… wer des Englischen mächtig ist und ein paar derbe Töne nicht scheut: Hier seine Gedanken zu PSP-Werbespots und welche Auswirkungen das hinter den Kulissen einer Agentur wohl haben könnte… Heute so aktuell wie damals, wie man feststellen muss…
Und hier der alte Original-Spot mit den beiden Eichhörnchen… Hut ab, dass man dort wenigstens zum Schluss die PSP zu sehen bekam… Das waren Zeiten…
Ich bin zwar grad wieder ziemlich auf Achse, aber das musste jetzt einfach sein… Ach ja: Die versprochenen Beiträge kommen die nächsten Tage… Also dranbleiben…
Was ist denn hier los? Alles voller Schnee? Der Briefkasten voller Weihnachtskarten? Welchen haben wir denn heu…. Oh Oh…
Sieht aus, als wäre dies meine letzte Chance, noch in diesem Jahr ein paar Sätze auf meine Seite zu posten. Sinnigerweise in eigener Sache. Dann bringe ich Euch mal kurz auf den aktuellen Stand. Wenn Ihr Euch fragt, weshalb ich so lange nichts geschrieben habe, so lautet die Antwort meinerseits: Unsinn… Natürlich habe ich geschrieben. Nur eben nicht hier…
Richtig gelesen – ich war alles andere als Faul. Darf ich mich vorstellen: Frank Erik Walter… ein Berufsjournalist… Genauer gesagt Freiberufsjournalist.
Ich schreibe seit Herbst für das monatlich erscheinende Computerspielemagazin “MMO PRO” und schaufle fleißig Artikel auf den Tisch der Layouter. Schwerpunkt meines Schaffens sind die zahllosen Online-Spiele (Definition siehe “MMOG“), die dem Leviathan “World of Warcraft” wenigstens ein wenig Kundschaft abspenstig machen möchten. Ein paar meiner Beiträge sind darüber hinaus bei Eurogamer.de untergekommen und fühlen sich dort Pudelwohl. Als nächstes habe ich ein paar Redaktionen im Hörfunkbereich auf dem Radar. Mal sehen, was draus wird. Das selbst verdiente Brot als Freiberufler schmeckt mir jedenfalls. Ich habe die meisten bürokratischen Hürden genommen und schiele erwartungsvoll gen 2011.
Damit meine kulturelle Ader nicht abstirbt, arbeite ich mit dem “Theater-3D” an einem Stück über die Gebrüder Grimm. Ich werde beizeiten hier mehr dazu schreiben, nur soviel vorab: Es wird ein Kinderstück, der Text ist fertig geschrieben und trägt den schönen Titel “Grimms Kram” und drei Märchen werden darin auf meine ganz spezielle Weise interpretiert. Fehlen nur noch ein paar Schleifarbeiten, Korrekturen und Striche hie und da… Im März 2011 hat das Werk Premiere.
Ach ja: Eine Kleine Vorschau, was Euch die nächsten Tage hier erwartet… Soviel Zeit hab ich noch, bevor ich mich in die Silvesterfeierlichkeiten stürze…
Whistleblower waren dank Wikileaks in aller Munde… ein wenig hat sich die Aufregung um diese Zeitgenossen zum Glück gelegt. Für mich DIE Gelegenheit, mal mit einem passionierten Whistleblower zu sprechen und mehr über diese Berufung zu erfahren…
Motorola ist wieder groß in der Mobilfunkbranche… So weit so bekannt… Aber wusstet Ihr, dass sie weit weniger subtil nach Daten fischen als berüchtigte Infokraken wie Google oder Microsoft?
Inception – nein, ich habe nicht vergessen, dass ich darüber noch schreiben wollte… Das ist mein erster Vorsatz fürs neue Jahr… Das und mehr Sport
In diesem Sinne wünsche ich einen guten Rutsch und Prost Neujahr… ach ja… und ich hoffe natürlich, dass Ihr alle ein schönes Weihnachtsfest hinter Euch habt… Nachträglich frohe Feiertage!
Melancholisch-einsichtig titelt Golem: “Software eliminiert Menschen” – Als ob das in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit etwas neues wäre.
Im Artikel geht es freilich nicht um die Automatisierung ganzer Industriezweige und den Wegfall diverser Berufsgruppen, weil ein Computer den Job besser macht. Der Beitrag behandelt auch keine Killerprogramme in automatischen Militär-Dronen oder andere Mordszenarien.
Es geht um “Google Street View” und ein Programm, das die unfreiwillig fotografierten Menschen aus den Straßenfotos tilgt. Angesichts Golems reißerischer Überschrift fast ein bisschen banal.
Bedenkt man die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, bekommt das Wort “eliminieren” andererseits tatsächlich prophetische Züge. Aber muss das sein?
Wäre doch toll, wenn Google zum Beispiel die vielen arbeitslosen Mediengestalter mit der Fotoretusche beschäftigen würde, statt schon wieder einen aufwändig programmierten Algorithmus über ihre Bilder zu jagen. Gibt doch genug menschliche “Photoshopper” für den Job…
Heute wollen gefühlte 80 Prozent der Jugendlichen irgendetwas “mit Medien” lernen. Auch wenn die Branche noch so überlaufen ist, stellen sich brav neue Nachwuchs-Mediengestalter in die Schlange vorm Arbeitsamt.
Früher gab es zwischen Designer und Druck noch diverse Arbeitsschritte. “Druckvorstufe” nannte sich das. Da wurden Fachkräfte beschäftigt, die heute nicht mehr nötig sind, weil die Designer mit dem Computer das meiste selbst erledigen können und als PDF-Datei direkt an die Druckerei schicken. Wo sind die Reprofotografen, Lithographen und Schriftsetzer hin? Hier gilt wirklich: “Software eliminiert Menschen”.
Wir halten auch sonst viele kreative Fähigkeiten für rein menschlich. Angesichts mancher Entwicklungen der Vergangenheit geradezu töricht.
Wenn in ein paar Jahren eine künstliche Intelligenz den ersten automatisierten Bestseller geschrieben hat, werden wir hoffentlich nicht mehr auf einen Arbeitsplatz zum Lebenserhalt angewiesen sein…
Auf ein solches Gesellschaftsmodell bin ich gespannt… Ich meine das nicht einmal sarkastisch. Chancen und Gefahren gehen in dieser Sache Hand in Hand. Science Fiction? Vielleicht. Aber wie lange?
Wir müssen aufpassen, dass Maschinen nicht auch noch bessere Konsumenten werden. Sonst werden wir Menschen tatsächlich überflüssig.
Zwei große Organisationen wollen nun härter in eigener Sache durchgreifen, verschärfen ihre internen Regeln und schrauben emsig an ihren Normen: Die Deutsche Bahn und die Katholische Kirche.
35 Grad Celsius. Das ist die maximale Außentemperatur laut europäischer DIN-Norm für die Klimaanlage eines ICE (Typ 3). Wird es wärmer, gibt das Teil schon mal seinen Geist auf. Die älteren ICE-Klimaanlagen (Typ 1 und 2) verkraften nur 32 Grad Celsius ohne Ausfall. Wer hätte auch erwartet, dass in Deutschland jemals höhere Temperaturen vorkommen?
Georg Brunnhuber ist der Sonderbeauftragter des Bahn-Vorstandschefs Rüdiger Grube. Er sagte heute allen Ernstes den Kollegen von Stern.de, dass “zum Zeitpunkt der Planung dieser Züge niemand davon ausgegangen ist, dass wir einmal Temperaturen von mehr als 35 Grad in Deutschland haben würden.”
Mann, waren wir damals naiv…
36 oder gar 38 Grad Celsius galt unter Experten vermutlich als physikalisch unmöglich. In Deutschland ist seit dem Beginn der Aufzeichnungen auch bestimmt NIE eine Hitzewelle wie im Sommer 2010 vorgekommen! Kein Wunder, dass die Bahn nicht mit derart apokalyptischen Temperaturen gerechnet hat!
Man könnte vielleicht auf die spanische DIN-Norm umstellen, bei der die Klimaanlagen unglaubliche 40 Grad Celsius verkraften müssen! Damit könnte die Deutsche Bahn den drohenden Klimawandel überbrücken, bis die Polkappen schmelzen oder unsere Sonne in einer Supernova verglüht.
Ich würde heulen, wenn ich durch’s Schwitzen nicht so viel Flüssigkeit verloren hätte.
Und nun zum Vatikan… Dort macht man jetzt mit Kinderschändern keine halben Sachen mehr:
Die Katholische Kirche hat nämlich bei den kircheninternen “Normen bezüglich schwerer Delikte” die Schrauben mal so richtig angezogen…
Wo die Verjährungsfrist für Missbrauch vormals 10 Jahre war, wollen jetzt die Kirchenoberen auch 20 Jahre nach dem 18. Geburtstag des Opfers noch durchgreifen.
Der Missbrauch von geistig Behinderten wird dem Missbrauch von Minderjährigen gleich gestellt und Kinderpornos mit Jugendlichen unter 14 sind neuerdings auch im Kirchenrecht strafbar.
In “schwerwiegenden Fällen” kann ein Geistlicher sogar ohne Strafprozess entlassen werden und bei einem “innerkirchlichen Prozess” dürfen Laien und Nichtpriester – und sogar Frauen – über den Kleriker zu Gericht sitzen.
Ich rede nicht von Staatsanwälten, Polizei oder anderen weltlichen Institutionen, die mit banalen Strafen wie Gefängnis drohen…
Das hier ist Kirchenrecht, Baby…
Respect it, ’cause it’s da law!
Melde- und Anzeigepflicht bestehen trotzdem seit April (!) in Form päpstlicher Leitlinien. Nochmal zum Mitschreiben: Seit April 2010 ist es also endlich Usus, in so einer Angelegenheit die Polizei zu rufen.
Nein, diese Kirchengesetze sind überhaupt nicht selbstverständlich oder längst überfällig oder entsprechen einfach nur gesundem Menschenverstand… Das sind alles MEILENSTEINE in der Geschichte des Vatikan!
Und so hart, wie die katholische Kirche bei Pädophilie und Missbrauch vorgeht, braucht auch niemand mehr die Übeltäter vor ein ordentliches Gericht zerren, wo ihnen dann das Zuchthaus droht…
Ich wäre dafür, allen kirchenrechtlich Verurteilten eine Bahncard 100 zu verpassen und sie während heißer Tage zu Dauerfahrten im ICE zu zwingen… Ohne Platzreservierung… Oder besser: Gefesselt auf den defekten Bordtoiletten…
Meine Kakteen haben heute Morgen mit Bannern und Trillerpfeifen vor meinem Bett demonstriert. Ich soll gefälligst umziehen – ihnen sei es zu heiß in meiner Dachwohnung.
Und ganz unrecht haben die Topfpflanzen vielleicht nicht: Mein Thermometer zeigte mit letzter Kraft 34 Grad Celsius, dann tropfte es vom Regal wie eine von Salvador Dalís berühmten Uhren.
Zum Glück habe ich schon einige Sommer in Dachwohnungen überlebt und weiß, wie man mit so einer Hitzewelle fertig wird. Aufgemerkt:
Trink, Trink, Brüderlein Trink…
Regel Nummero Eins: Viel Wasser, Apfelsaftschorle oder kühlen Tee trinken. Betonung liegt auf viel. Flüssigkeiten am besten ohne Alkohol und über den Tag verteilt… So simpel, dass ich gar nicht weiter drauf eingehen will.
Eiskalte Früchtchen für’s Gemüt
Ein echter “Geheimtip” für Naschkatzen: Gefrorene Früchte aus der Kühltruhe. Besonders Heidelbeeren lutschen sich bei dem Wetter prima, sind gesund, erfrischend und bedrohen nicht die Strand-Figur. Außerdem färbt sich die Zunge blau wie bei einem Eisbär. Alternativ kann man mit einem starken Mixer, einem Schuss Milch und etwas Zucker ruck-zuck leckere Instant-Eiscreme aus den Früchten zaubern. Merke: Frisches Erdbeereis kommt besonders bei den Ladies gut an.
Wer lüften kann, ist klar im Vorteil.
Die einen sagen, man solle die Fenster immer geschlossen halten. Andere behaupten, draußen und drinnen ist es sowieso gleich heiß und somit bringt Verbarrikadieren nix… Offene Fenster seien aber besser, wegen Zugluft.
Solche Diskussionen sind im Großraumbüro gefürchtet und provozieren brutale Keilereien zwischen Mitarbeitern. In diesem Fall unbedingt einen Liegestuhl und Popcorn bereithalten und andere Kollegen nicht dazwischengehen lassen.
Zu Hause bin ich flexibel: Um die Hitze draußen zu halten, sind sowieso die Rollos wichtiger als die Fenster. Durchzug ist aber tatsächlich ein Schlüssel zum kühlen Heim, denn stehende Luft ist tödlich.
Also immer dort die Fenster AUF, wo die Sonne gerade NICHT scheint.
Die Fenster samt Rollläden ZU, wo zu viel Licht in die Wohnung strahlt.
Man muss schon ein wenig mitdenken, aber das bisschen Gehirnjogging sollte sogar bei so einer Hitze möglich sein.
Du und Dein Rollladen
Rollos auf der Innenseite der Fenster könnte man getrost abmontieren – das Licht heizt die Bude trotzdem wie ein Treibhaus, denn die Wärme kann nicht zurück durchs Fensterglas nach draußen. Wer die Sonne wirklich abwehren will, muss sie VOR der Scheibe stoppen.
Das einzige, was Jalousien innen bringen, ist Privatsphäre durch Sichtschutz. Das hat natürlich den Vorteil, dass man nackt durch die Wohnung flitzen kann. Durchaus nicht verkehrt, bei den Temperaturen – aber wehe wenn Besuch vor der Tür steht.
I wanna’ fly away… Yeah!
Was ich unbedingt empfehle, sind Fliegengitter. Die gibt’s in diversen Ausführungen im Baumarkt… Ob die einfache Varianten zum Kleben in den Fensterrahmen, mit Klett-Funktion, reflektierend als Sonnenschutz oder sogar für schräge Dachfenster zum Kippen – die Auswahl ist groß und die Anschaffung lohnt sich. Gib Mücken keine Chance!
Bewegt die Luft!
Ein Ventilator – an der richtigen Stelle – bringt den nötigen Schwung ins Raumklima. Damit steigert man gehörig das Wohlbefinden. Ich benutze einen großen Standventilator, um den Durchzug zwischen den offenen Fenstern zu verbessern. Vor der Anschaffung sollte man möglichst im Laden testen, wie leise das Gerät läuft.
Warum keine Klimaanlage?
Eine Klimaanlage, die wirklich etwas taugt, kann man sich als Normalbürger kaum leisten. Auch wenn die Werbung anderes verspricht. Nachgerüstet kostet ein gutes Gerät samt Installation tausende Euro.
Ich hab’ mal mit einem Experten für Server-Klimaanlagen darüber geplaudert: Was man so im Baumarkt bekommt, verbraucht enorm viel Strom, ist unerträglich laut und bringt vergleichsweise wenig. Selbst ein kleiner 20 Quadratmeter-Verschlag braucht ewig um kühl zu werden. Im Betrieb kann man (bzw. die Nachbarn) ruhigen Schlaf vergessen und die Montage ist recht anspruchsvoll, wenn man’s richtig machen will. Besser, man spart das Geld und fährt nach Grönland oder so…
Feucht und fröhlich
Bei extremer Hitze und robuster Immunabwehr (Stichwort: Zugluft) kann man sich auch die “Verdunstungskühlung” (bzw. “Siedekühlung”) zu Nutze machen: Ein T-Shirt, ein Handtuch, Muttis Tischdecke, ein beliebiges Stück Stoff… Einfach nass machen, auswringen bis es gerade noch feucht ist und dann über die Schultern oder den Kopf legen. Der Lappen wird augenblicklich kühl. Danke Naturwissenschaften! Ansonsten empfiehlt sich natürlich häufiges Duschen und sparsames abtrocknen danach. Wasser ist bei dem Wetter der beste Freund.
Ich bin denn mal weg…
Zu guter Letzt gibt es noch ein totsicheres Rezept für einen kühlen Kopf: Raus aus der Wohnung! Vor allem, wenn man unterm Dach lebt.
Ich sitze beispielsweise gerade in einem Eiscafé und tippe auf meinem Netbook wie ein echter Juppie-Schnösel. Wem das zu protzig ist, liest ein Buch oder in “THEATERheute”. Wem das zu intellektuell ist, hört Musik auf dem Handy (Kopfhörer benutzen)… Egal, hauptsache man ist NICHT zu Hause.
Mal ehrlich: Wenn’s um’s Überleben geht, sollte selbst die überzeugte Couchkartoffel ihr Domizil verlassen und auf Wandschaft gehen. Biergärten, Schwimmbäder, klimatisierte Einkaufszentren, U-Bahn-Stationen, Burgverließe, Waldwanderwege… Erlaubt ist, was kühl ist.
Aber Achtung: Sonnencreme nicht vergessen, Sonnenbrille einpacken und Mütze aufziehen! Keine Panik, wenn es draußen komisch riecht: Das nennt man “Frischluft”. Relativ harmlos. Ruhig weiteratmen.
Mit gesundem Menschenverstand übersteht also auch das geplagteste Dachwohnungs-Opfer diesen Sommer ohne im Krankenhaus zu landen.
Ich gönn’ mir jetzt noch ein Eis und wünsche einen kühlen Abend beim Fußballgucken. Deutschland-Uruguay wird sicher ein heißes Match…