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#0023: Von wegen schrecklich: “Für immer Shrek”

Wir sitzen im Kino, der Abspann läuft, ich reibe die Augen und frage mich: “Bin ich zu blöd für den Feuilleton?” Im Gegensatz zu den meisten Profi-Kritikern fand ich “Für immer Shrek” in 3D richtig gut.

Für immer Shrek - in 3D

Und nein: Ich werde jetzt nicht die Handlung des vierten Shrek-Films zusammenfassen. Es geht mir weniger um den Oger als um seine Kritiker.

Natürlich gab es da durchaus positive Rezensionen, aber die Mehrzahl der Schreiberlinge haute richtig derbe Verrisse raus:

“Dreistigkeit in 3-D” (FAZ.net)…

“ironisches Porträt des entmachteten modernen Mannes […] verkommt zum flachen Popcornkino-Krawall” (Spiegel.de)…

“Müde Witze vom Oger-Fließband” (TV Spielfilm)…

“Es hätte so schön werden können” (Die Welt)…

“reichlich piefig” (Berliner Zeitung)…

Die Süddeutsche fand den Film ganz gut, war aber vom 3D-Effekt genervt: “In einem fort zappelt irgendetwas”…

Tja, und dann komme ich aus dem Kino. Gut gelaunt. Unterhalten. Positiv überrascht… Nichts zu meckern… Ausgerechnet ich…

Sind mir massenweise Gag-Fehlzünder entgangen? War da nicht vielleicht doch ein Mangel an Tiefgang? Hab’ ich den vierten Shrek vielleicht falsch geguckt? Da kann doch was nicht stimmen?

Ich kann die Kritiker ja verstehen: Jedes mal die gleiche Tretmühle, wenn ein neuer 3D-Animations-Film rauskommt:

Kneifende 3D-Brillen, flimmernd schnelle Schnitte bis zur Epilepsie und dutzende Dolby-Lautsprecher donnern von allen Seiten bis einem die Ohren bluten. Filme professionell zu besprechen ist heute kein Traumberuf mehr.

Und dann auch noch einen Kinderfilm: Ein Kino voll kleiner, schreiender Monster, die alle Nase lang Fragen stellen und auf den Sesseln auf und ab hüpfen. Gebrüll auf der Leinwand UND im Kinosaal… Da vergehen einem die lobenden Worte.

Wie passend, dass Shrek im vierten Film ebenfalls ein Opfer des nervigen Alltags mit Kindern wird. Der Oger und seine Kritiker haben da vielleicht mehr gemeinsam als sie denken:

Beide müssen schreiende Kinder erdulden und damit zurecht kommen, dass sich die Zeiten unwiederbringlich ändern. Was heute im Kino läuft, ist oft nur Computeranimierte Massenbespaßung. Kinder sind nicht mehr gewohnt, still zu sitzen. Die Kombination aus beidem schlägt unvermeidlich aufs Gemüt.

Mit einer solchen Perspektive MUSS man ja verbissen schreiben. Das schreit nach grummeliger Griesgrämigkeit und melancholischen “Früher war alles besser” -Hymnen!

Nur, warum fand ich den Film dann derart gut?

Es lag vermutlich an der packenden Action, den witzigen Dialogen und den kleinen eingestreuten Spitzfindigkeiten für Erwachsene, gepaart mit liebevollen Animationen – sogar die deutsche Synchonfassung war geglückt!

Ja… Sorry… ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Ich bin fast trotzig positiv gestimmt. Ich fand den vierten Shrek halt wirklich nicht schlecht. Ich geh demnächst zum Arzt oder so. Mein Zynismus ist kaputt.

Naja… Ich habe mich bei dieser “Was wäre wenn” -Geschichte schon gefragt, was aus den Bösewichten der Vorgänger geworden war… Aber Schwamm drüber.

Als Rumpelstilzchen (Englisch: Rumpelstiltskin!) im Paralleluniversum die Macht ergriff, haben sich Lord Farquaad, die “gute Fee”, Prinz Charming und Konsorten wahrscheinlich aus dem Staub gemacht.

Filme im Stil von Frank Capras “Ist das Leben nicht schön” (Englisch: “It’s a wonderful life”) mit dem altbekannten “Held wurde nie geboren und sieht, wie die Geschichte ohne ihn verläuft” -Schema, geraten oft in Erklärungsnot für solche Denkfehler.

Aber von diesen kleinen Handlungslöchern mal abgesehen, war “Für immer Shrek” echt prima Kino. Kurzweilig, knackig und geradezu klug. Mehr hab ich nicht erwartet. Eher weniger.

Am Ende lohnt es sich eben doch, selbst ins Kino zu gehen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Aber Achtung, wenn Sie kinder mitbringen! Es könnte ein Kritiker vor Ihnen sitzen… Wobei… Was den nicht umbringt, macht ihn bitter… Was sich wiederum besser im Feuiletton verkauft… Sie tun ihm damit also sogar einen Gefallen… Vermutlich.

Hier die beiden deutschen Trailer zum Film:

#0022: Neues Museum als Big Brother?

Wenn der Papst oder US-Präsident Barack Obama Nürnberg besuchen kämen: sie könnten im “Neuen Museum” ihre Leibwächter getrost vor der Tür lassen. So aufmerksam beobachtet würde nicht einmal Megan Fox in einer Herrenumkleide.

Kürzlich waren meine Freundin und ich im “Neuen Museum”, um uns die Wandzeichnungen von Gerhard Mayer und diverse andere Stücke der Sammlung anzusehen. Um es vorweg zu nehmen: die Ausstellung ist klasse und es sind viele Werke dabei, die auch einen zweiten Besuch rechtfertigen. Künstlerisch gibt es keinen Grund zu meckern.

Was uns allerdings irritierte, war die intensive “Beschattung” durch die anwesenden Museumswärter.

Keine Frage: Wenn Besucher in Hundertschaften durch die Räume streifen, ist eine allgegenwärtige Aufsicht zwingend erforderlich. Schließlich trennen im “Neuen Museum” weder Schranken noch Glasscheiben Betrachter und Kunstwerke voneinander. Viele Exponate würden die Gäste geradezu verführen zum Ausprobieren… Designerstühle und ästhetisch ansprechende Schreibmaschinen verlocken vor allem Kinder, wenn man nicht aufpasst…

Aber an diesem Tag, zu dieser Stunde, waren genau zwei Gäste im Museum… Und das waren wir.

Daher kam es uns schon komisch vor, als wir immer von zwei bis vier Wärtern gleichzeitig im Blick behalten wurden. Wo wir auch hinkamen: Sie standen bereits gesammelt im Raum, gingen uns nach, lugten hinter Ecken hervor oder kreuzten scheinbar demonstrativ unseren Weg. Mehr noch: Sie schienen sich sogar per Funkkontakt untereinander zu koordinieren. Die zahlenmäßige und taktische Überlegenheit der Wärter war bedrückend.

Insgesamt waren sieben bis acht Museumswärter konstant auf den Beinen, um uns zwei von Unsinn abzuhalten.

Ob es vielleicht sinnvoller gewesen wäre, uns einfach direkt einen Wärter zuzuteilen, der uns durch die Räume begleitet? Vielleicht waren wir auch selbst schuld: Wir hätten ja auch eine offizielle Führung mitmachen können. Freie Kunst ist in Deutschland schließlich schon immer ein Minenfeld gewesen.

Auf meine schriftliche Anfrage beim “Neuen Museum” reagierte man prompt und sehr freundlich:

Da man im Tagesbetrieb keine Videosysteme oder technische Überwachung einsetze, läge die gesamte Verantwortung bei den Aufsichten. Diese kämen ihrer Verantwortung sehr umfänglich nach, ohne Beanstandungen des größten Teils der Besucher. Man nehme meine Berichterstattung dennoch sehr ernst, werde mit der eingesetzten Aufsichtsfirma sprechen und überlegen, wie sich die Situation angenehmer gestalten ließe.

Man bot uns als Entschädigung außerdem zwei Freikarten an, die wir jedoch dankend ablehnten.

Bleibt zu hoffen, dass man im “Neuen Museum” die Aufsicht diskreter hinbekommt, ohne die Exponate hinter Glas verbannen zu müssen oder in Gefahr zu bringen.

Wir lernen daraus: Der freie Zugang zur Kultur bleibt eine gesellschaftliche Gratwanderung… Schon Thomas Jefferson wusste: “Der Preis der Freiheit ist ewige Wachsamkeit.”

Jefferson hätte bestimmt einen tollen Museumswärter abgegeben.

#0021: Ein Brief an unsere Regierung

Lieber Herr Wirtschaftsminister Brüderle,
liebe Steuersenkungswütigen Politiker von CDU/CSU und FDP,
liebe politische Klasse in Berlin,

ich habe das Gefühl, Ihr solltet Euch generell ein bisschen besser untereinander absprechen, bevor Ihr den medial überforderten Bürger mit neuen Vorschlägen bombardiert.

Eure Diskussionen und Debatten machen auf die Bevölkerung den gleichen Eindruck wie streitende Eltern auf ein achtjähriges Kind:

“Die da oben zanken sich – und egal was dabei rauskommt: ich bin der Verlierer.”

Einmal lese ich, dass wir alle ein Sparpaket zu schultern haben, das viele Bürger ungerecht finden.

Da prasselt auf Euch Politiker Kritik von allen Seiten ein, aber ich will jetzt nicht auseinanderzuzeln, ob die generell gerechtfertigt ist oder nicht… Das würde einige Seiten füllen. Nur soviel: Sicher sind Eure Ideen nicht alle falsch, aber wie Ihr sie verkauft… Pfui Teufel! Dieses Sparpaket hätte man besser erklären müssen. So schaut es aus, als ob Ihr armen Familien auch noch den letzten Brotkrumen klaut. Echt nicht gut für’s Image…

Dann lese ich eine – an sich – positive Meldung: Die Regierung verschuldet sich weniger als gedacht!

Die Steuereinnahmen und Arbeitsmarktkosten hätten sich besser entwickelt als erwartet und nun müsst Ihr statt grob 80 Milliarden “nur” 60 Milliarden neue Schulden machen.

Tolle Sache… Auch wenn ihr am vorher genannten Sparpaket deswegen noch lange nicht rüttelt. Da werden Euch zwar einige Solzialverbände und Gewerkschafter in die Mangel nehmen, aber ihr habt ja zur Zeit auch noch andere Sorgen…

Welchen Bundespräsidenten ihr gut finden dürft zum Beispiel… Der Wulff wäre ja wichtig, damit die Koalition von CDU/CSU und FDP nicht zerbricht. Aber den Gauck mögen die Bürger und viele Abgeordnete lieber… Wie erklärt man jetzt dieses Dilemma bloß den Wählern? Aber ich schweife ab…

Das nächste Unheil schippert schon fröhlich am Horizont: Ich lese wieder von Steuersenkungen!

Weil man jetzt weniger Schulden machen muss, hätte man doch theoretisch wieder Geld zur Verfügung. Und wenn das Sparpaket nicht angetastet wird, könnte man ja vielleicht irgendwie die Steuersenkungen durchpauken, auf die vor allem die FDP so schmerzlich verzichten musste. Auch auf die Gefahr hin, dass den Sozialverbänden und vielen Wählern deswegen der Schaum vorm Mund tropfen wird.

Vor allem Sie, Herr Wirtschaftsminister Brüderle, landen da unvorteilhaft in den Schlagzeilen, wenn Sie der Süddeutschen Zeitung im Interview sagen, dass “die im Koalitionsvertrag vereinbarten Steuersenkungen sind nicht aufgehoben, sondern nur auf der Zeitachse verschoben” worden seien. Je schneller man die Haushalte in Ordnung gebracht hätte, desto früher könnte man sich den Steuern zuwenden…

Nein, falsch ist das nicht… aber Sie vergessen dabei die diversen Kröten, die der Bürger zur Zeit schlucken muss und die ein bisschen Zuckerglasur ganz dringend nötig hätten. Solche Ansagen sind daher ziemlich ungeschickt.

Bitte fangt in Berlin doch endlich einmal an, den Bürgern ein paar Eurer Entscheidungen zu erklären! Und zwar so, dass man es versteht…

Im Moment sieht das nämlich so aus:

Die Menschen sollen ihre Bäuche weiter einschnüren. Aber sobald in der Kasse noch Geld übrig ist, werden damit andere gefüttert… Wirtschaft, Banken, Großverdiener und so… Ätsch.

Ja, das ist zu sehr “Schwarz-Weiß” gedacht…  Aber erklärt das mal den Stammtischen!

Wenn zum Beispiel der FDP-Finanzexperte Daniel Volk der “Financial Times Deutschland” in den Block diktiert: “Jetzt haben wir genug Luft für eine Abflachung des Mittelstandsbauchs und eine Entschärfung der kalten Progression”, ist das sicher auch für die Bürger eine gute Sache. Nur warum steht das dann in der “FTD” und nicht in der “BILD” ?!

Und mal ehrlich: Wie ernst meint es der Herr Volk mit versprochenen Wohltaten, wenn seine Partei bislang nicht unbedingt für sozial verträgliche Vorschläge bekannt war? Kommt ja nicht von ungefähr, dass die FDP gerade in den Umfragen abgestürzt ist… Und haben wir überhaupt “genug Luft” oder müsste es eher heißen: “wir sind gerade noch nicht am Ersticken” ?

Ich würde jetzt an Eurer Stelle auf die Wähler zugehen. Was habt Ihr vor? Was bedeutet es für den Einzelnen? Wer profitiert wovon? Mehr Transparenz und einfache Worte bitte!

Viele Grüße aus Nürnberg,

Euer Frank “Faenwolf” Walter.

#0020: Super Mario Bros. Crossover – Ein Traum wird wahr!

Der Nostalgiehammer trifft mich bei “Super Mario Bros. Crossover” besonders hart: Alle meine Nintendohelden in einem Spiel… Und Mario…

Super Mario Bros. Crossover

Die Glorreichen Sechs - Bald Sieben

Ich muss Farbe bekennen: Eigentlich bin ich kein Mario-Fan. Ich habe zwar alle Teile gespielt, aber mich trotzdem mehr für andere Serien wie “Metroid”, “Mega Man” oder “Zelda” erwärmen können. Nintendos Klempner war nie mein Favorit.

“Super Mario Bros. Crossover” passt darum wie der Pümpel auf den Abfluss…

Statt mit Mario darf ich das NES-Urgestein “Super Mario Bros.” mit den Helden aus anderen bekannten 8-Bit -Spieleklassikern bestreiten. Eine einfache und geniale Idee. Zur Wahl stehen Samus Aran (Metroid), Mega Man, Link (The Legend of Zelda), Simon (Castlevania) und Bill Rizer (Contra).

Alle Helden bringen ihre typischen Spezialfähigkeiten mit und können diese sogar wie der Klempner mit Pilzen und Feuerblumen aufrüsten. Das pustet viel frischen Wind in das angestaubte “Super Mario Bros.” und macht enorm Spaß.

Wer auch nur entfernt Interesse an NES-Klassikern hat, wird beim Spielen vor Nostalgie mehr Gänsehaut bekommen als bei jedem Weihnachtsessen (nur vielleicht nicht so knusprig).

Der Programmierer Jay Pavlina hat viel Herzblut in sein inoffizielles Remake fließen lassen: Jede Figur bringt beispielsweise ihre typische Hintergrundmusik mit. Die Levels des Original “Mario Bros.” wurden bis auf den letzten Stein in Flash umgesetzt. Die Steuerung variiert von Held zu Held, ist aber immer präzise und direkt. Außerdem kann man die Tastenbelegung bei Bedarf ändern. Sogar Gamepads werden unterstützt – für das vollkommene Nostalgiegefühl.

Ebenfalls praktisch: Man darf jederzeit zwischenspeichern (das Spiel legt hierzu eine Textdatei auf dem Computer ab).

Der Entwickler hat für die nächste Version (1.1) unterschiedliche Schwierigkeitsgrade angekündigt. Bald soll zudem Ryu Hayabusa, der Held aus “Ninja Gaiden” als spielbare Figur dazukommen (siehe zweites Video unten). Herz, was begehrst Du mehr?

“Super Mario Bros. Crossover” verbessert einen eigentlich perfekten Klassiker. Ich hätte nie gedacht, dass ich die alten Levels noch einmal durchspielen und so viel Spaß dabei haben könnte. Wenn ich bei Nintendo im Vorstand säße, Jay Pavlina bekäme noch heute einen Anruf und eine Festanstellung… Allein schon wegen seiner witzigen Videokommentare zum eigenen Spiel.

Das Filmmaterial und Zusatzinfos gibt’s auf seiner Seite: www.explodingrabbit.com

Direkt zum Spiel geht es

—> HIER <—

Dafür muss man allerdings den neuesten Flash-Player von Adobe installiert haben… Den gibt es unter diesem Link.

Hier der erste Video-Kommentar zum Spiel von Jay Pavlina:

Hier die Videoankündigung von Ryu Hayabusa aus “Ninja Gaiden”:

EDIT: Kleiner Nachtrag… Version 1.1 ist erschienen und ich habe die Links entsprechend abgeändert. Viel Spaß!

#0019: Wir sind Lena!

Ich muss es unsarkastisch und ehrlich überrascht zugeben: Ich bin beeindruckt! Glückwunsch zum gewonnenen Eurovision Song Contest 2010 an Lena Meyer-Landrut, Stefan Raab und Deutschland. Ich gönn’ es uns allen!

Erster Platz in Oslo, 246 Punkte – und die kamen aus fast allen europäischen Ländern! Lena war so authentisch, dass man sie einfach gern haben muss. Was ich gerade besonders beeindruckend finde (während ich schreibe, grob 0:15 Uhr): Sie schafft es in Ihrem Zustand sogar noch einmal zu singen…

Und jetzt das “Ich weiß nicht, wo ich jetzt hinsoll… Ich quatsch einfach noch ein bisschen…” während des Abspanns: Gigantisch! Wenn sie den heutigen Abend ohne Herzanfall übersteht, wünsche ich Ihr noch eine lange Karriere im Musikgeschäft.

Mal sehen, wie der Zirkus die nächsten Tage läuft. Das Lied “Satellite” wurde hier in Deutschland ziemlich abgenudeld – Ich hatte große Zweifel. Aber das Ergebnis: Respekt. Lena wird jetzt ganz schön rumgereicht werden. Ich drück’ die Daumen, dass sie das übersteht…  Und wünsch’ ihr “Ein bisschen Frieden” – im Stil von Lenas Vorgängerin Nicole… Hat 1982 zuletzt für Deutschland den Grand Prix gewonnen. Ordentlich lang her… Aber schon zu meinen Lebzeiten *grins*.

Sie werden Raab ein Denkmal setzen – beim Privaten (genau gesagt Pro7) und den Öffentlich-Rechtlichen. All die Sondersendungen… Diese Einschaltquote… Und was erst die nächsten Tage kommt… Da droht fast der “Overkill”…

Der 55. Eurovision Song Contest lohnte sich für alle deutschen Medien… Presse, Rundfunk, Plattenindustrie, Fernsehen, auch im Netz… Aber vor allem das Gebührenfernsehen profitiert von der frischen Windböe… Jugendlicher kam die ARD lange nicht rüber… Ob was hängen bleibt? Mal schaun.

#0018: Farbenfrohe Geschmacksfragen

Michael Jackson hat Farben seinerzeit sehr pragmatisch besungen: Ihm war’s wurscht ob sein Schatz schwarz oder weiß war…

In Sachen Seiten-Design bin ich nicht ganz so pflegeleicht. Darum frage ich meine lieben Leser. Wie hätten Sie meine Seite gern?

Natürlich habe ich schon einige Bekannte und Verwandte konsultiert. Aber wirklich eindeutig waren deren Antworten nicht. Viele fanden meine alte Seite zu dunkel, einige fanden sie genau richtig. Die Fachliteratur will auch keine klare Linie vorgeben – der Kontrast soll stimmen – mehr wird nicht gefordert.

Also alles eine Frage des Geschmacks. Und da hier die Mehrheit zählt, gibt’s eine kleine Abstimmung… Jawohl: IHRE Meinung ist gefragt :-)

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  • Hell ist besser! (45%, 10 Votes)

Anzahl Stimmen: 22

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Zur Erinnerung: Die alte Seite sah so aus:

Faenwolf.de in Dunkel

Faenwolf.de in Dunkel

Ich bin auch für jeden Vorschlag, Tipp oder jede Kritik dankbar. Meine Pinnwand steht jedem offen – wer sich beim Kommentarbereich anmeldet, darf auch direkt unter diesen Beitrag seine Meinung schreiben… Faenwolf will’s wissen…

#0017: The Secret ist grauenvoll!

Der Film „The Secret“ ist albern und zynisch: Wenn man seiner Logik folgt, ist das Universum ein gemeiner Lampengeist, der millionen Menschen töten würde, damit man im Büro nicht mehr verarscht wird.

Ja, ich hab die DVD zum „Bestseller“ geliehen und lasse Sie umsonst am „Geheimnis“ teilhaben… Anders als die Macher Rhonda Byrne und Paul Harrington, die Ihnen dafür Geld abknöpfen wollen. Es kostet einen klaren Menschen schon sehr viel Willenskraft, den Film nicht nach 20 Minuten abzubrechen und die DVD mit einem Hammer zu traktieren.

„The Secret“ behauptet, dass unser Geist das Universum lenkt: Indem ich meine Gedanken und Gefühle auf Dinge oder Ereignisse konzentriere, ziehe ich sie an wie ein Magnet. Egal ob gut oder schlecht.

Ich kann also rein durch Gedankenkraft all meine Wünsche erfüllt bekommen – das Universum selbst wird die nötigen Hebel in Bewegung setzen, um sie eintreten zu lassen. Das gilt aber auch für Ängste. Die würden genauso wahr, wenn ich nur lange genug an sie denke.

Unser Universum soll also ein verblödeter Kellner sein: Du sitzt an Deinem Tisch, redest mit der Freundin über Kaffee und schon bringt Dir der Depp eine volle Tasse. Warum?

Das Universum hat nur oft genug „Kaffee“ gehört und daraus Deinen Wunsch abgeleitet. Es hat nicht auf Kontext oder Sinn geachtet.

Schlimmer noch: Es hat vielleicht den Kaffee einem anderen Gast weggenommen, damit Du ihn bekommst. Tja. Vielleicht magst Du auch keinen Kaffee. Hättest Du doch bloß an Tee gedacht, Du Idiot!

Die Autoren bringen natürlich schmeichelhaftere Vergleiche und Beispiele. Aber im wesentlichen trifft das ihre Aussage. Damit der Film uns kleingläubige überzeugt, melden sich auch ein dutzend Motivationstrainer, Autoren und “Wissenschaftler” zu Wort, die das „Geheimnis“ mit dutzenden Beispielen bekräftigen sollen. Redundanz Ahoi!

Die Produzenten Rhonda Byrne, Paul Harrington und Regisseur Drew Heriot peppten ihren Film außerdem mit tollen Spezialeffekten auf und verwoben ihr „Geheimnis“ mit diversen Verschwörungstheorien. Denn natürlich wollen böse Dunkelmänner das „Geheimnis“ schon seit Jahrtausenden unterdrücken. Total Top Secret. Lassen Sie sich auch nicht von der aufwändigen Homepage täuschen – eigentlich dürfte das alles niemand wissen! Tolles Marketing!

Große Männer und Frauen der Geschichte kannten und nutzten natürlich das „Geheimnis“ für ihren Erfolg… Angeblich… Beethoven, Lincoln, Edison, Einstein… Schade, dass die schon alle tot sind und sich zu Lebzeiten nie den „Weltfrieden“, „Sieg über Krebs“ oder einfach „Glück für alle Menschen“ gewünscht haben. Offenbar war das Universum dann doch nicht mächtig genug, es allen Leuten auf einmal recht zu machen.

Aber ob Sie nun ein Fahrrad wollen oder Gesundheit oder einen Lottogewinn… Alles verschafft Ihnen das Universum, wenn Sie daran glauben, daran denken, sich positiv fühlen und überzeugt sind, das Gewünschte zu erhalten.

Im Film bekommt also der Junge sein Fahrrad vom Opa. Die befragten Autoren leben alle in Luxusvillen auf Hawaii und einer der Motivationstrainer hat dank “The Secret” nie wieder Parkplatzprobleme gehabt. Der Wahnsinn! Vom Zuckerwürfel bis zum tropischen Paradies: Wer in Gedanken und Gefühlen seine Wünsche „lebt“, der bekommt sie einfach so frei Haus.

Blöd nur: Wenn Sie umgekehrt klagen, dass sie gemobbt werden, unglücklich sind, ständig im Stau stehen oder von den Menschen wie Dreck behandelt werden, dann hört das Universum diese Gedanken und liefert auch diese “Bestellung” zu Ihren Ungunsten aus. Also Ihre eigene Schuld.

Zum Glück ist die Lösung einfach: Als beispielsweise ein jammernder Bürohengst im Film anfing, sich glücklich und geliebt zu fühlen und positiv zu denken, verließen bald sämtliche mobbenden Kollegen von alleine seine Abteilung. Sie gingen. Einfach so! Er hat nur daran glauben müssen und seine Einstellung positiv gedreht. Den Rest hat das Universum gedeichselt. Abrakadabra!

Natürlich tritt das Gedachte nicht sofort ein… Wäre ja auch zu einfach… Und wissenschaftlich beweisbar… Man muss lange genug und intensiv daran glauben und all seine Gefühle auf den Wunsch richten, damit es klappt…

Dann funktioniert “The Secret” aber immer… Das ist ein Naturgesetz! Todsicher!

Und wenn es nicht klappt, machen Sie eben etwas falsch. Wieder selbst schuld.

Was mich entsetzt, ist der Zynismus, der bei „The Secret“ zu Tage tritt. Kapieren die Macher überhaupt, was sie da verzapfen?! Es wäre grauenhaft, wenn das stimmen würde! Ja, grauenhaft!

Warum?

Also gut. Ich packe ungern den Holzhammer aus, aber bitte:

Wenn man der Logik des vermeintlichen „Gesetzes“ aus “The Secret” folgt, gäbe es beispielsweise für den Holocaust zwei Erklärungen:

  • Entweder hat ein Mensch (muss nicht einmal Hitler oder Antisemit gewesen sein) an irgend etwas gedacht, was das Universum die Hebel zum Bau von KZs ziehen ließ. Dieser Mensch hat vielleicht nur Bestätigung im Büro und eine Beförderung ersehnt – Das Universum hat es dann so gedeichselt, dass alle unbequemen jüdischen Kollegen in ein KZ verfrachtet wurden. Oder vielleicht wünschte er sich eine Wohnung und fand erst eine, nachdem millionen Juden abtransportiert worden waren. Sie finden diesen Gedanken grauenvoll? Ich gebe Ihnen recht! Aber es geht noch schlimmer…
  • In der anderen Variante hätten die Juden selbst Schuld am Holocaust durch zu viele negative Gedanken. Ihre Angst vor der eigenen Auslöschung hätte das abscheuliche Verbrechen erst verursacht: Das Universum hätte dann einfach zu oft „Tod und Vernichtung“ gehört und gefolgert, die Juden würden sich das wünschen. Ob die Autoren daran gedacht haben, als sie ihr „Gesetz“ formulierten?

Wenn „The Secret“ recht hätte, wäre ein solcher Wahnsinn wirklich plausibel. Diese logische Konsequenz hat man ausgespart beim Motivations-Marketing-Müll auf DVD.

Epidemien, Hunger, Tod, Krebs, Krieg, Naturkatastrophen, Unfälle, Parkplatznot und eingewachsene Zehennägel: Laut „The Secret“ würde alles erzeugt vom menschlichen Geist. Ob bewusst oder unbewusst, ob positiv oder negativ, ob gerecht oder ungerecht – egal. Alles können wir haben und an allem sind wir selbst Schuld. Pfeifen wir auf Medizin, Gesetze, Wissenschaft, Verantwortung und Nächstenliebe! Wer nicht richtig denkt und fühlt hat selbst Schuld an seinem Leiden!

Es spricht nichts gegen positives Denken im Alltag. Mit optimistischer Grundhaltung bin ich glücklicher und sehe auch die unschönen Ereignisse in meinem Leben in wärmeren Licht… Wenn mir wurscht ist, dass ich morgens im Stau stand und ich trotzdem fröhlich „Hakuna Matata“ pfeife, dann wirke ich natürlich später viel angenehmer auf meine Kollegen als der Typ neben mir, der abgehetzt mit Schmollfresse durch den Flur buckelt und andauernd über den Stau und seinen Rücken schimpft.

Aber es ist dreist, dass die Autoren aus so einer platten Weisheit ein ultimativ gültiges Gesetz ableiten – und nebenbei allen Opfern von Katastrophen und Verbrechen eine Ohrfeige verpassen. Wer an Krebs stirbt, hatte zuviel daran gedacht? Kinder und Mütter sterben im Krieg, weil sie sich falsch fühlten? Wer vom Blitz erschlagen wird, hatte zuviel Angst und provozierte das Universum? Weil ich gerne erfolgreich wäre, müssen andere darunter leiden? Wer solche Ideen propagiert, schmeißt auch Hundewelpen vom Balkon, weil es angeblich einem höheren Zweck dient.

Für so einen „Ratgeber“ Geld zu verlangen, ist eine Schande und ekelhaft.

Dass die Autoren von „The Secret“ und ihre „Experten“ nicht einfach die Weltherrschaft durch Gedankenkraft übernommen haben, ist vermutlich nur ihrer Bescheidenheit geschuldet. Gnade uns Gott, wenn diese Vollpfosten es sich anders überlegen. Wir würden es nicht überleben.

Und wenn Sie das nächste mal ihren Flug wegen eines Vulkanausbruchs verpassen, hatten Sie vermutlich selbst zu intensiv daran gedacht. Danke auch im Namen der anderen Reisenden. Lassen Sie sich bloß nicht erwischen, sonst verklagt Sie am Ende noch die Fluggesellschaft… „Die Gedanken sind frei“ wird da zur Bedrohung der gesamten Menschheit.

Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen, ich muss mich weiter auf die zwanzig schwedischen Bikini-Models konzentrieren, die jeden Moment durch einen witzigen Zufall an meine Tür klopfen sollten…

#0016: Sarkasmus ex machina

Israelische Wissenschaftler haben ein Programm entwickelt, das Sarkasmus erkennt. War dringend nötig. Ich kann kaum erwarten, dass Facebook das als Applikation einbindet. Bei Freundschaften und Familienbeziehungen gibt es schließlich nichts wichtigeres als verstanden zu werden, oder?

Auf Golem.de war’s zu lesen: 66.000 Produktrezensionen auf Amazon haben die Entwickler ausgewertet, um ihr Programm zu schreiben. Sobald drei Tester eine Bemerkung als sarkastisch einstuften, wurde diese als Beispielsatz ausgewählt und dann wiederholt geprüft. Das Ergebnis fütterten die Informatiker in ihr “Semi-supervised Algorithm for Sarcasm Identification” -Programm (SASI) und jetzt erkennt es Sarkasmus zu 77 Prozent. Ich verneige mich ehrfürchtig vor Oren Tsur, Dmitry Davidov und Ari Rappoport von der Hebräischen Universität in Jerusalem für diese Großtat.

Ein weniger auf “Political Correctness” bedachter Schreiber würde jetzt freilich auf die Ironie hinweisen, dass Sarkasmus und jüdische Schwiegermütter oft in schicksalshafter Beziehung zueinander stehen sollen… Aber wir sind hier nicht in einer amerikanischen Sitcom… Und ich bin stets political correct…

Dieses Programm kam gerade noch rechtzeitig! Was habe ich mich immer darüber geärgert, dass die Leute meinen Sarkasmus nicht als solchen erkennen. Dauernd halten mich Bekanntschaften für “nett”, “umgänglich” oder sogar “witzig”. Dabei bin ich nur ätzend, sauertöpfisch und ein Misanthrop!

Aber bald kann ich meinen Mitmenschen einfach eine CD in die Hand drücken und schwupps: Nachdem sie das Programm auf meine E-Mails anwenden, ist die Freundschaft passé und ich hab meine Ruhe. Danke Oren Tsur, Dmitry Davidov und Ari Rappoport… Echt. Danke. Wer will schon zwischenmenschliche Beziehungen.

Ich frage mich, wie dieses Programm mit meinen “Dr. House” -DVDs harmonieren würde? Wahrscheinlich explodiert der Arbeitsspeicher meines PCs.

Und erst der Nutzen für Wirtschaft und Politik! Endlich verstehen brutale Diktatoren, wenn ein Dichter verdeckte Kritik an ihrer Herrschaft übt mit seinen Werken! Und erst die ganzen ironischen E-Mails im Geschäftsleben, die endlich verstanden werden. Wie Praktisch! Das lässt sich sicher noch ausbauen. Äsop wäre begeistert gewesen!

Douglas Adams hat im Buch “Per Anhalter Durch Die Galaxis” über seinen “Babel Fish” folgendes geschrieben (Ich habe das Zitat frei übersetzt – oh, die Ironie):

“The Babel fish, by effectively removing all barriers to communication between different races and cultures, has caused more and bloodier wars than anything else in the history of creation.”

“Der Babelfisch hat mehr und blutigere Kriege verursacht, als alles andere in der Geschichte – Indem er sämtliche Sprachbarrieren zwischen den verschiedenen Spezies und Kulturen beseitigte.”

Ich bin überzeugt, dass die Erfindung von Oren Tsur, Dmitry Davidov und Ari Rappoport kein bisschen zu einer solch verheerenden Entwicklung beitragen wird! Niemals! Und was kann schon so schlimm daran sein, wenn wir all die kleinen Spitzen und Sticheleien verstehen, die täglich auf uns einprasseln? Will man doch wissen!

Vielleicht sollte ich auf Psychiater umschulen – diesem Beruf steht ein gewaltiger Einkommensschub bevor.

Ach ja: Ein Blogger-Kollege hat folgenden Youtube-Clip aus den “Simpsons” aufgespürt. Jetzt ohne jeden Sarkasmus: Hut ab! Passt perfekt!

#0015: Hörproben und Cartoonwölfe

Ein kleines “Hurra!” in eigener Sache: Ich habe multimedial aufgerüstet! Zunächst gibt’s frisches Tonmaterial von mir für willige Ohren… Und dann hat Comiczeichnerin Katrin Felder ihre Stifte tanzen lassen für ein einmaliges Seitenmaskottchen. Ich bin in Feierlaune!

Wer meine Stimme probehören will, schmeißt gleich mal am oberen Bildrand den Player an. Mit bloßen Händen und extrem stimmgewaltig habe ich einen Podcast produziert. So zusagen als kleinen Willkommensgruß für meine Besucher.

Die Taste zum Abspielen finden Sie auf der rechten Seite, die Lautstärkeregelung links… Aber der Player ist sowieso zu 120 Prozent selbsterklärend. Das bekommt normalerweise mein Kaktus auf dem Fensterbrett hin. Hoffe ich zumindest. Sonst sollte ich den weniger gießen.

Was die Katrin exklusiv für meine Homepage gezeichnet hat, haben Sie wahrscheinlich schon auf der Startseite bewundert.

Ich finde, sie hat mich prima getroffen. Ja, manchmal bin ich wirklich ein brillengesichtiger Isegrim, der angestrengt seine Zeilen in die Schreibmaschine hämmert. Alles andere wäre eine glatte Untertreibung. Aber ganz im Ernst: Ich bin total begeistert von dem Cartoon-Faenwolf und danke Katrin für ihre tolle Arbeit…

Zu guter Letzt habe ich die Seite “Über mich” um ein paar Fakten und ein schickes Video ergänzt. Eindrucksvoller wurde die Bedeutung meines Spitznamens nie erklärt. Und zudem lernt man ein paar Brocken Norwegisch…

Wer also wissen will, warum diese Homepage so heißt, wie sie heißt, der muss unbedingt einen Abstecher auf die besagte Unterseite machen.

#0014: Zahnbürste für Magermodels?

Schöner Kotzen für Magermodels mit Essstörung? “Jetzt neu: Max Fresh Zahnbürste! Bürstengriff mit extrem frischen Minz-Duft!” jubelt mir die Werbung auf der “Colgate Maxfresh” Zahnpastapackung entgegen. Welcher Werbetexter verbricht sowas?
Zahnbürste "Max Fresh"

Da konstruiert “Colgate” eine Zahnbürste mit Zungenreiniger und als ob in den Pasten nicht schon genug Menthol drin wäre, schüttet der Hersteller noch Minzaroma ins Plastik. Sinn oder Unsinn – kann man sich drüber streiten. Jetzt aber, anstatt mit besagtem Zungenreiniger zu werben, preisen sie lieber den Minz-Duft des Griffes an! Offenbar war eine saubere Zunge nicht werbewirksam genug. Da frage ich mich als zahnpflegender Kunde, wer solche Bürsten kaufen soll? Müssen meine Hände jetzt nach dem Zähneputzen kühl kribbeln und nach Japanöl riechen? Soll die Zahnbürste auch noch die Luft im Badezimmer erfrischen?

Nach kurzem Grübeln kam es mir wie ein minzfrischer Blitz: Im Fernsehen werden den jungen Zuschauerinnen gerade haufenweise dünne “Topmodels” vor die Nase gehalten und man propagiert den Schlankheitswahn so offen wie nie. Darauf stellen sich natürlich auch die Hersteller von Schönheitsprodukten ein. Es gibt mehr Schminke, mehr Shampoo, mehr Stylingtipps und eben auch mehr Bulimie! Und wenn die Mädels schon etwas zum Kotzen finden, soll’s dabei wenigstens nach Minze schmecken…

Aber das war nicht meine einzige Erkenntnis: Erinnern Sie sich an den Zungenreiniger-Fingerhandschuh, den es mal eine Weile zu kaufen gab? Einfach über den Zeigefinger schieben und die Zunge abrubbeln für frischen Atem. Hat auch nach Minz geschmeckt. Und ich hab beim Ausprobieren schon damals einen leichten Würgreiz bekämpfen müssen. Jetzt wird mir der wahre Nutzen dieses Produkts klar! Wow! Will nicht wissen, wieviele Opfer des Schlankheitswahns diese Teile gehortet haben, bevor die vom Markt genommen wurden.

Merke: Man kann alles ungesunde irgendwie mit Menthol aufpeppen. Zigaretten, Schokolade, Briefmarken, Medikamente, Benzin, Kalashnikovs, Industrieabfälle und eben auch Zahnbürstengriffe. Ob sie demnächst auch Behördenschreiben vorher mit Minzöl betreufeln? Duftet mir die nächste Stromrechnung schon aus dem Postkasten entgegen? Mir wird schon übel.

Satire hin oder her: Wer für eine Zahnbürste Werbung macht, sollte den sinnvollen Zusatznutzen anpreisen (Zungenreiniger) und nicht so ein vermeintlich schlaues “Alleinstellungsmerkmal”, das keiner ernsthaft gut findet (Menthol im Griff). Selbst die beste Idee überlebt keine blöde Werbung. Übrigens scheint die Zahnbürste tatsächlich überall im Netz “ausverkauft” zu sein und auf der Seite von “Colgate” steht auch nicht viel mehr dazu. Da ist vielleicht mal wieder die “Innovation” schneller vom Markt verschwunden als ihr Marketing.